Dienstag, 10. November 2009

Börsenskeptiker lassen sich nicht bekehren

Ich kann mich an keinen Börsenaufschwung erinnern, der nicht in den ersten Monaten, ja Quartalen, von einer weit verbreiteten Skepsis begleitet worden wäre. Aber so viel Pessimismus wie während und nach der fulminanten Kurserholung von März bis September dieses Jahres habe ich bei Experten und Anlegern noch nie erlebt. Ist das nun, werde ich von Bekannten immer wieder gefragt, ein gutes oder schlechtes Zeichen? So pauschal lässt sich eine Antwort darauf nicht geben. Es wäre sicherlich ein schlechtes Zeichen, wenn der Aufschwung ohne jeden fundamentalen Hintergrund abliefe. Aber das ist ja diesmal ganz sicher nicht der Fall. Zum einen war die Rezession weniger tief als erwartet, zum anderen deuten die Konjunkturindikatoren immer stärker darauf hin, dass die Wirtschaft schneller und stärker in Schwung kommt als prognostiziert, und drittens sind die Unternehmensergebnisse in ihrer überwältigenden Mehrzahl – Statistiker rechnen je nach Index zwischen zwei 65 und 85 Prozent – deutlich besser ausgefallen als zuvor angenommen. Normalerweise reicht so ein Bündel an guten Nachrichten aus, um die Skepsis allmählich bröckeln zu lassen.

Warum ist das diesmal anders? Weil viele Experten und Anleger – vor allem diejenigen, die den Börsenaufschwung verpasst haben – viele dicke Haare in der Konjunktur-Suppe finden. Sie erwarten, dass das Wachstum abrupt abbricht, sobald die Staats- und Notenbankhilfen auslaufen, und manche befürchten auf Grund der expansiven Geldpolitik und des massiven Anstiegs der Staatsverschuldung gar schon bald neue Finanzkrisen und ein Wiederaufleben der Inflation. Diese Gefahren sind nicht von der Hand zu weisen. Aber weil die Regierungen und Notenbanken diese Risiken auch sehen, werden sie alles daran setzen, um die Konjunktur am Laufen zu halten und die Finanzinstitute, wenn es sein muss, noch öfters zu stützen. Denn ihnen ist klar, dass nur ein längerer, robuster Wirtschaftsaufschwung die finanziellen Lasten, die man sich in den vergangenen zwei Jahren aufgeladen hat, mildern können. Die Neuverschuldung der Staaten lässt sich mittelfristig nur mit Wachstum drastisch reduzieren – so wie in den 1990er Jahren in den USA. Wer darauf vertraut, dass die Strategie der Regierungen und Zentralbanken stur auf Konjunkturstärkung ausgerichtet bleibt, so wie sie das auf dem G20-Treffen erneut bestätigt haben, kann an Aktien nicht vorbeigehen. Denn sie sind die natürlichen Gewinner einer derartigen Politik.

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