Montag, 25. Januar 2010

Obamas falsches Timing

Alle Welt wusste, dass Barack Obama die Banken stärker an die Kandare nehmen würde - aber der Plan, den er vorige Woche vorgestellt hat, kam für die Börsen so überraschend, dass sie zeitweise fast panisch reagiert haben. Das wäre leicht zu verhindern gewesen, wenn Obama das Timing besser beherrschen würde.

Während die Notenbanken inzwischen aus langjährigen schmerzlichen Erfahrungen gelernt haben, dass man die Märkte auf Zins- und Liquiditätsmaßnahmen vorbereiten muss, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden, weichen Obamas Vorschläge weit von dem ab, was bisher in Washington und New York diskutiert wurde. Gerade in einer Zeit, in der die Stabilität der Finanzmärkte für die Weltwirtschaft überlebenswichtig ist, sollte eine Regierung aber nicht wie die Axt im Walde vorgehen. Das sah mehr nach populistischem Befreiungsschlag nach der jüngsten Wahlniederlage aus als nach wohl durchdachtem Vorgehen. Ein paar Andeutungen hier, ein Interview dort - und die Märkte wären nicht so extrem überrascht worden.

Fehler Nummer zwei, den Obama gemacht hat, betrifft die Klarheit der Ansage. Nichts mögen die Märkte weniger als Unsicherheit. Und da der US-Präsident zwar martialisch gesprochen, in der Sache aber relativ undeutlich gebleiben ist, herrscht nun großes Rätselraten um die genau geplante Ausgestaltung. Hier sollte Obama schnellstens nachbessern und Details sowie Zeitpläne konkretisieren, um nervöse Märkte nicht noch nervöser zu machen.

Übrigens gehen die Pläne beileibe nicht nur die Banken an. In einer Phase, in der ein massiver Eigenkapitalmangel der Geldhäuser das Haupthindernis für einen breiten Wirtschaftsaufschwung in den Industrieländern ist, gefährdet jeder Rückfall der Banken in die Risikoaversion die Konjunktur erheblich. Für die Börsen ebenso wie für die Wirtschaft brechen deshalb erneut unruhige Zeiten an. Selbst ein neuer Crash ist nicht ausgeschlossen, wenn Obama nicht bald für mehr Klarheit und Vertrauen in seine Politik sorgt.

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