Dienstag, 23. Februar 2010

Anlageberatungsprotokoll – sinnvoller Papierkram

Waren Sie seit Jahresbeginn 2010 schon mal zur Anlageberatung in Ihrer Bank? Nein, dann sollten Sie das nächste Mal ein paar Minuten mehr Zeit mitbringen. Denn seit Jahresbeginn sind Banken und Finanzdienstleister verpflichtet, Wertpapierberatungen in einem Protokoll schriftlich zu dokumentieren und ihren Kunden mitzugeben.
Damit sollen Kunden die unter anderem bessere Chancen haben, eine mögliche fehlerhafte Anlageberatung beweisen zu können. Solch ein Protokoll ist also eine sinnvolle Sache, finde ich – vorausgesetzt aber, es ist vollständig und richtig ausgefüllt und gibt tatsächlich den Verlauf des Gesprächs wieder. Kunden sollten daher aufpassen und genau nachsehen, ob das Protokoll auch wirklich stimmt.

Zweifel bleiben allerdings angebracht, ob die Protokolle tatsächlich die alles entscheidende Hilfe sind, damit sich die Anlageberatung in Deutschland ingesamt verbessert. Man stelle sich nur einen Berater vor, der sich mühsam am vorgegebenen Protokoll entlang hangelt. Um dann vielleicht noch im Laufe des Gesprächs festzustellen, dass das anvisierte Produkt doch nicht zum Risikoprofil passt und mal schnell das Risikoprofil passend macht. Dann ist schnell klar, dass Protokolle allenfalls ein Hilfsmittel sind, die Beratung insgesamt zu verbessern. Das zeigt auch eine aktuelle Infratest-Umfrage im Auftrag der DZ Bank. Demnach glaubt nur knapp jeder zweite Anleger, der bereits eine Beratung mit Protokoll genossen hat, dass sich die Beratung insgesamt durch die Protokolle verbessert.

Entscheidend wird sein, dass Banken und Finanzdienstleister endlich die Erkenntnis umsetzen, dass sich ihre Kunden nur dann dauerhaft gut aufgehoben fühlen, wenn sie wirklich eine Beratung bekommen. Eine, die diesen Namen auch wirklich verdient und sich nicht vorrangig an Produktabsatzzielen orientiert.

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