Freitag, 26. Februar 2010

Freitagsfrage: Heißt das jetzt eigentlich PIGS oder PIIGS?

Finanzmenschen sind kreative Leute. Nicht nur, was die Neugestaltung von Produkten betrifft, sondern vor allem was die Namen dafür angeht. Viele der "Super-Chance Tech-Alpha-Papiere" sind eigentlich nichts Neues, klingen aber interessant. Und kaum kommt ein neues Thema in Finanzkreisen auf, finden die sprachgewaltigen Geldmenschen schon einen griffigen Begriff dafür. Arme Länder? Gibt es nicht; das sind "Emerging Markets" - aufstrebende Märkte. Die großen davon heißen "BRIC" für Brasilien, Russland, Indien und China. Und alle Länder, in denen der Euro gilt, waren gemeinsam schon "Euroland", bevor die neue Währung überhaupt eingeführt wurde. Das ist praktisch. Dumm nur, wenn verschiedene Menschen unter dem gleichen Begriff etwas anderes verstehen.

So geschehen jetzt im Laufe der Krise Griechenlands. Ganz klar - für "alle Euroländer, in denen die Verschuldung so hoch ist, dass eine ernstzunehmende Haushaltskrise droht" muss eine Abkürzung her. Irgendein kreativer Mensch hat sich an BRIC erinnert und die gefährdetsten Länder Portugal, Irland, Griechenland und Spanien zu PIGS abgekürzt - das hat eingeschlagen, auch weil pig auf Englisch nicht nur ein borstiges Nutztier, sondern auch "Gauner" oder "Halunke" bedeutet.

Übersehen hatte der Erfinder, dass es in Euroland zwei Kandidaten für das I in diesem Zusammenhang gibt. Auch in Italien sind die Staatsfinanzen in einem Zustand, der eine Mitgliedschaft bei PIGS gerechtfertigt. Gelöst hat die Finanzgemeinde diese Missverständnis sehr gerecht: Beide, Irland und Italien sind jetzt dabei. Sagen Sie auf der nächsten Party also auf keinen Fall "Ich wusste schon immer, dass die PIGS den Euro unter Druck bringen", um Eindruck zu schinden. Ziehen Sie das I lang: Sagen Sie PIIGS.

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