Freitag, 5. Februar 2010

Freitagsfrage: Was genau ist eigentlich die Eigenkapitalrendite?

Als Josef Ackermann gestern das Jahresergebnis der Deutschen Bank präsentierte, schauten die Medien zuallererst auf eine Zahl: Wie hoch ist die Eigenkapitalrendite? Denn sie ist quasi das Markenzeichen von Ackermann. Seitdem er in den vergangenen Jahren immer wieder für die Deutsche Bank eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent als langfristiges Ziel ausgab, ging regelmäßig ein Aufschrei durch die Lande - und der Schweizer in Diensten der größten deutschen Bank wurde allüberall der unersättlichen Gier geziehen. 2009 übrigens erzielte die Deutsche Bank 15 Prozent Eigenkapitalrendite. Was sagt uns aber nun diese betriebswirtschaftliche Erfolgs-Kennziffer genau?

Um es gleich vorweg zu sagen - mit der Umsatzrendite (Gewinnanteil am Umsatz), mit der sie in der öffentlichen Diskussion häufig verwechselt wird, hat sie nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich bei der Eigenkapitalrendite, an der Börse auch als ROE bezeichnet (für das englische Return on Equity), um das Verhältnis des Gewinns vor Steuern zum Eigenkapital des Unternehmens. Ein Beispiel: 2009 verdiente die Deutsche Bank 5,2 Milliarden Euro vor Steuern, und das Eigenkapital betrug vereinfach gerechnet rund 34,4 Milliarden Euro. 5,2 dividiert durch 34,4 macht etwa 0,15 aus, also 15 Prozent.

Je niedriger also die Eigenkapitalquote ist, desto leichter lassen sich hohe ROEs erzielen. Das ist der Hebeleffekt. Banken arbeiten traditionell mit einem vergleichsweise geringen Eigenkapitalanteil an der Bilanzsumme von rund zehn Prozent, der Rest entfällt auf Fremdkapital. Deshalb gilt die Eigenkapitalrendite auch nicht uneingeschränkt als zuverlässige Meßzahl für die Rentabilität und die Stabilität eines Unternehmens. Die Höhe des Eigenkapitals lässt sich zum Beispiel durch Aktienrückkäufe und hohe Dividendenzahlungen drücken, so dass es bei gleichem Gewinn leichter fällt, eine hohe Rendite zu erzielen. Wie die Finanzkrise aber gezeigt hat, ist eine geringe Eigenkapitalausstattung gefährlich.

Die von Ackermann angestrebte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent ist übrigens viel weniger aufregend, als es die öffentliche Diskussion annehmen lässt: Nach Berechnungen der staatlichen KfW-Bankengruppe betrug 2007 die durchschnittliche Eigenkapitalrendite aller DAX- und MDAX-Unternehmen 30,1 Prozent. Und mehr als die Hälfte aller nicht börsennotierten mittelständischen Firmen erzielten mehr als die ominösen 25 Prozent. Die können in guten Zeiten über Ackermanns 25-Prozent-Ziel nur müde lächeln.

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