Montag, 8. Februar 2010

Die PIGS trampeln den Euro nieder

Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Selten zuvor war dieses Sprichwort so zutreffend wie beim Euro. Vor einem Vierteljahr schien sein Aufstieg keine Grenzen zu kennen - und Europas Politiker wurden nicht müde, den USA Ratschläge zur Stärkung des Dollar zu geben. Jetzt hat die Angst um Griechenlands Zahlungsfähigkeit unvermittelt für eine grundlegende, nicht nur kurzfristige Neubewertung an den Devisenmärkten geführt, mit dem Dollar als sicherem Hafen und dem Euro als Verlierer.

In Zukunft, da bin ich mir sicher, wird nichts mehr so sein an den Devisenmärkten wie bisher. Die griechische Tragödie bedeutet eine tiefe Zäsur. Unsere Währung wird vermutlich nicht länger an der durchschnittlichen Leistungskraft aller Euroländer gemessen werden, sondern am jeweils schwächsten Glied. Und Problemländer haben wir ja genügend. An den Finanzmärkten spricht man schon von den PIGS, gebildet aus den Anfangsbuchstaben der am meisten gefährdeten Defizitsünder Portugal, Irland, Griechenland und Spanien.

Diese Zäsur wird einige Entwicklungen anstoßen und andere beschleunigen, die die gesamten Finanzmärkte und die reale Wirtschaft noch lange beschäftigen werden. Ich greife stichwortartig ein paar heraus:

Erstens können wir die angestrebte Konvergenz der Euroländer vergessen. Im Gegenteil: Die Krise wird zu einer wachsenden Divergenz führen, also zu einer auseinanderdriftenden Entwicklung in Deutschland und anderen relativ stabilen Ländern auf der einen und den Problemstaaten auf der anderen Seite. Das macht zweitens eine abgestimmte Finanz- und Wirtschaftspolitik in der Gemeinschaft nahezu unmöglich - und das vergrößert die Kluft weiter. Drittens bringt das die EZB in eine Zwickmühle: Um den Euro zu stützen, müsste sie eigentlich die Leitzinsen erhöhen. Aber um die Krise der Defizitsünder nicht zu verschlimmern, muss sie die Zinsen wohl noch lange auf dem extrem niedrigen Niveau belassen.

Viertens droht die Gefahr,dass die Devisenmärkte übertreiben und den Euro noch viel, viel tiefer sacken lassen. Nur wenn Euroland Griechenland + Co. rasch und ohne wenn und aber beisteht, gleichzeitig aber eine stimmige mittelfristige Stratgie zum Defizitabbau entwickelt, lässt sich eine Dauerkrise des Euro verhindern. Fünftens werden die Anleihenzinsen in den Euroländern künftig stark auseinanderlaufen. Das bringt den stabileren Staaten Finanzierungsvorteile, den PIGS erhebliche Nachteile. Sechstens schließlich wird sich die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen drastisch verbessern, zum einen wegen der niedrigeren Zinsen, zum anderen auf Grund des schwachen Euro. Das allerdings wäre dann nur ein schwacher Trost, wenn die Eurokrise weiter an Dramatik zunimmt.

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