Donnerstag, 25. Februar 2010

Um Aktienanleihen einen Bogen machen

Die Sprache verschlägt es mir beim Blick auf die Konditionenunterschiede von Aktienanleihen und Discountzertifikaten. Beide Produkte sind interessante Renditebringer – und vom Chance-Risikoprofil her absolut vergleichbar. Doch zwei oder drei Prozent weniger Rendite pro Jahr für Aktienanleihen im Vergleich zu Discountzertifikaten gehen klar zu weit! Doch genau darauf verzichten Anleger, wenn sie derzeit Aktienanleihen statt Discountzertifikate kaufen.


Wirtschaftlich steht hinter Aktienanleihen genau die gleiche Konstruktion wie bei Discountzertifikaten. Identisch ist auch das Anlageziel: Rendite generieren und Risiken im Vergleich zur direkten Aktienanlage reduzieren. Der Unterschied: Bei der Aktienanleihe gibt es am Ende den Nennwert plus Zinsen, sofern die Aktie über einem bestimmten Level notiert. Fällt sie darunter, wird der Anleger am Verlust beteiligt. Beim Discount dagegen gibt es statt Zinsen einen Rabatt auf den Aktienkurs. Ein Beispiel: Für eine Aktienanleihe auf Allianz mit Laufzeit bis 25. März 2011 gibt es 9,5 Prozent Zinsen jährlich und am Ende 100 Euro zurück, wenn die Aktie nicht unter 80 Euro fällt. Bei einem Aktienkurs von 82,83 Euro notiert die Aktienanleihe bei 100,43 Prozent. Der Anleger kassiert 9,5 Prozent Zinsen und muss einen kleinen Kursverlust von 0,43 Prozent (aktueller Kurs 100,43 – Rückzahlungswert 100) hinnehmen – das ergibt eine jährliche Rendite von 8,86 Prozent.

Für ein Discountzertifikat hingegen zahlt er nur 70,90 Euro und erhält maximal 80 Euro zurück. Macht eine jährliche Rendite von 11,8 Prozent. Die Differenz zwischen beiden Konstrukten beträgt damit knapp drei Prozent. Das stecken sich großenteils die Emittenten und gegebenenfalls die Vertriebspartner in die Tasche. Teilweise werden für die Papiere nämlich an Banken, die die Papiere nach Emission an ihre Kunden verkaufen noch Vertriebsprovisionen gezahlt. Daher lautet die klare Empfehlung: Discountzertifikate kaufen, Aktienanleihen meiden.

Wesentliche Gründe für die Konditionenunterschiede sind das geringere Angebot bei Aktienanleihen und die mangelnde Vergleichbarkeit von Aktienanleihen untereinander. Sicher, Aktienanleihe klingt besser als das in Verruf geratene Zertifikat und wird daher lieber gekauft. Und fixe Zinserträge sind immer gut, manche Investoren wie Stiftungen brauchen auch regelmäßige Einkünfte. Doch von einem schicken Kupon sollten sich Anleger nicht blenden lassen. Der darf im übrigen auch genau hinterfragt werden. Teilweise steht zwölf Prozent drauf, effektiv gibt es aber nur neun Prozent. Grund: Die Laufzeit für den zwölfprozentigen Kupon beträgt 16 Monate – unter dem Strich bleiben für den Anleger jährlich dann nur neun Prozent.

Noch ein kurzer Blick hinter die Kulissen für jene, die es genau wissen wollen: Die Emittenten machen keinen Unterschied bei der Absicherung der Position. In der Praxis haben sie zwei Möglichkeiten die Kreationen nachzubilden. Jetzt wird es leider etwas komplex: Entweder kauft der Emittent die Aktien und verkauft gleichzeitig eine Call-Option oder er verkauft einen Put und kassiert dadurch die Optionsprämie. Parallel dazu legt er das Geld am Kapitalmarkt an. Die Profis nennen dass „Aktie long + short call“ oder im zweiten Fall „short put“. Das Chance-Risiko-Profil sowie das Ziel beider Strategien ist identisch: Der Anleger setzt auf stagnierende Kurse. Unabhängig was der Emittent macht, kommt unter dem Strich das selbe Ergebnis heraus. Der Verkauf der Call-Option ermöglicht beim Discount den Rabatt und bei der Aktienanleihe die Kuponzahlung.

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