Montag, 11. Oktober 2010

Neue Sorgen um den Euro

Kaum ein halbes Jahr ist es her, da zeigten Dax & Co. mit zum Teil kräftigen Kursrückgängen ihre Furcht vor einer Abwertung des Euro: Schuldensünder wie Griechenland hatten Spekulanten auf den Plan gerufen, die die Einheitswährung angriffen. Doch nun gerät der Euro zwischen die Mühlen des Währungsstreites von China und den USA - und droht kräftig aufzuwerten. Einen Tagung des IWF am Wochenende brachte keine Lösung.


Der Euro steigt und steigt - und droht den exportgetragenen deutschen Aufschwung zu gefährden. Grund ist ein Abwertungswettlauf, der sich zwischen den anderen großen Währungsräumen China, den USA und Japan anbahnt. Von einem "Währungskrieg" sprechen gar renommierte Ökonomen. Denn die USA wollen Chinas "25 Prozent auf alles"-Politik nicht mehr tolerieren. Der Vorwurf: Durch die Anbindung der Landeswährung Yuan an den Dollar halte das Reich der Mitte seinen Wechselkurs künstlich niedrig. Am internationalen Gütermarkt sind chinesische Waren daher mit erheblichem Rabatt zu haben und wesentlich wettbewerbsfähiger als etwa US-Produkte.

Ganz klar: Den USA reißt der Geduldsfaden. Verbal verschärft sich der Ton schon seit längerem, vor kurzem hatte der Kongress dazu ein Gesetz auf den Weg gebracht. Und nun ist auch die US-Zentralbank aktiv. Sie fährt weiter eine extrem expansive Geldpolitik - um die nach wie vor schwächelnde Wirtschaft anzukurbeln, aber auch um den Dollar zu schwächen. Die Folge: Dollar und Yuan verlieren gemeinsam am Wert, die anderen Weltwährungen werden stärker. Das wollen nun die betroffen Länder nicht klaglos hinnehmen: Auch Japan sorgt nun mit einer Rückkehr zur Null-Zins-Politik für einen schwächeren Yen.

Nur Europa fühlt sich weiter der Sparpolitik und der allmählichen Rücknahme der Geldflut durch die Zentralbank verpflichtet. Die Folge: Der Euro klettert und gefährdet den Exporterfolg europäischer und deutscher Firmen.

Ein Abwertungswettbewerb schadet allen, in der Regel geht er mit protektionistischen Maßnahmen einher, erhöht die Inflation und dämpft das Wachstum weltweit. Ein Spiel mit dem Feuer für eine Weltwirtschaft, die die Folgen der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise noch nicht wirklich überwunden hat. Wer daher gehofft hatte, dass die betroffenen Staaten auf der IWF-Tagung am Wochenende nun allmählich von Konfrontation auf Dialog umschwenken, wurde aber bitter enttäuscht. China ließ einige rennomierte Volkswirte in Zeitungsartikeln zu Wort kommen, die die US-Vorwürfe zurückwiesen, und auch die USA haben ihren Ton weiter verschärft.

Eine wachsweiche Schlusserklärung ist alles, was herausgekommen ist: Man wolle, so heißt es, auf "ein ausgeglicheneres Wachstum" hinarbeiten. Das Währungsthema wurde auf das nächste G20-Treffen im November vertagt. Vorher könnte der Streit allerdings noch eine neue Eskalationsstufe erreichen: US-Finanzminister Timothy Geithner gibt demnächst seinen Bericht zur Währungspolitik vor dem Kongress ab. Sollte er von "Währungsmanipulationen" Chinas sprechen, werden Handelssanktionen die Folge – und sicher auch eine weitere Aufwertung des Euro. Und das wären richtig schlechte Nachrichten, nicht nur für die deutschen Exportunternehmen, sondern auch für alle Anleger, die Auslandsinvestments halten.

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