Montag, 22. November 2010

Gottfried Hellers schöne Börsenwelt 2011

Börsenlegende André Kostolany lebt zwar seit elf Jahren nicht mehr - aber das Kostolany Börsenseminar lebt munter weiter. Wie agil es ist, zeigte sich am Samstag. Der Zuspruch der Anleger war groß - und die Stimmung bestens. Denn "Kostos" Partner Gottfried Heller sieht auch 2011 prima Chancen an den Aktienmärkten.

Heller und seine Kollegen von der Fiduka Depotverwaltung  erwarten, dass sich der Kursaufschwung noch bis zu zwei Jahre fortsetzen wird - dank der Kombination aus niedrigen Zinsen, einer "Überfülle von Liquidität" und einer im historischen Vergleich sehr niedrigen Bewertung von Aktien. Egal ob Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Relation oder Dividendenrenditen - er erachtet Aktien "in einer Welt ohne Zinsen" als die mit Abstand attraktivste Anlageform 2011. Und hier gefallen ihm europäische Titel besser als die aus anderen Industriestaaten.

Dementsprechend wenig hält Heller von Anleihen, insbesondere Staatsanleihen. "Die staatlich manipulierte Blase wird für Anleger über kurz oder lang in Tränen enden, spätestens, wenn die Fed die Überschussliquidität abschöpft oder inflationäre Erwartungen zunehmen", so seine Prognose. Hellers Optimismus für die Aktienmärkte rührt auch noch aus anderen Entwicklungen her: Er, der schon immer massiv Aktien aus Schwellenländern empfohlen hat und einen erfolgreichen Emerging-Market-Fonds managt, rechnet damit, dass die Dynamik der Schwellenländer 2011 nur wenig nachlässt und diese Staaten mit Wachstumsraten bis zu zehn Prozent mehr und mehr zu den Lokomotiven der Weltwirtschaft werden.

Binnen 20 Jahren habe sich der Anteil der Emerging Markets am Welt-BIP auf 30 Prozent verdoppelt, "in Kaufkraft gerechnet sind es sogar 50 Prozent", so Heller. Da die Schwellenländer zudem eine Staatsverschuldung von lediglich einem Drittel der Industriestaaten aufwiesen, kämen vor allem Langfristanleger an Aktien aus diesen Ländern nicht vorbei. "Sie sind die neuen Industrieländer", meinte er. Besonders die osteuropäischen Börsen hält er auf Grund ihrer sehr günstigen Bewertung für interessant. Heller wagte auch noch einen ganz weiten Blick nach vorn: Er kann sich durchaus vorstellen, dass ein sehr langfristiger Börsenaufschwung begonnen hat, der natürlich immer wieder von Kursrückgängen unterbrochen werde. Die These stützt er mit Erfahrungen aus der Vergangenheit: "Seit 1920 gab es nur drei Fälle, in denen nach zehn Jahren Aktien im Minus standen" - so wie von 2000 bis 2010. Und jedesmal sei ein Aufschwung von 20 bis 25 Jahren gefolgt, der "an seinem Gipfel einen Gesamtertrag von 250 bis 320 Prozent brachte - plus Dividenden."

So eine Langfristprognose hätte sicherlich auch André Kostolany gefallen. Obwohl er allgemein als Spekulant angesehen wurde, war er doch der typische Langfristanleger, der auf die großen Bewegungen statt auf kurzfristige Ausschläge gesetzt hat. Nicht nur da hat er in seinem Freund und Partner Gottfried Heller einen würdigen Nachfolger gefunden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen