Dienstag, 14. Dezember 2010

Bänkchen wechsle Dich

Eher wechselt ein Deutscher seinen Ehepartner als seine Bankverbindung – diese beruhigende Weisheit galt einmal in der guten, alten Zeit, sprich bis etwa Mitte der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Mittlerweile sieht die Lage anders aus: Das häufigeren Trennungen deutscher Großstädter scheint sich auch auf die Wechselbereitschaft von Bankkunden auszuwirken.

In den vergangenen zwölf Monaten haben acht Prozent der deutschen Bankkunden eine Bankverbindung gekündigt, weitere zehn Prozent planen das in den kommenden 12 Monaten. Insgesamt sei fast jeder fünfte deutsche Bankkunden im Zeitraum von nur zwei Jahren kündigungswillig, hat das Marktforschungsunternehmen Puls herausgefunden. 2009 hatte dieser Wert erst bei 16 Prozent gelegen. Profiteure sind laut der Studie kleinere, flexiblere Banken speziell im Online-Bereich: Sie verzeichnen Kundenzuwächse, während die klassischen Anbieter – insbesondere die Sparkassen und VR-Banken – eher Kunden verlieren. Die Finanzkrise konnte diesen Trend nur kurzfristig unterbrechen.

Und es gibt noch einen weiteren Auffälligkeit: Die Kunden haben verstärktes Interesse an nachhaltigen Geschäftsmodellen, wie eine Umfrage des Beratungsinstituts psychonomics zeigt. Demnach erwarten mehr als 40 Prozent der deutschen Bankkunden, dass ihre eigene Bank auch Produkte anbietet, die
nach ethischen und sozial-ökologischen Kriterien ausgerichtet sind. Außerdem wünschen sich drei von vier Bankkunden, dass die Banken eine stärkere soziale Verantwortung übernehmen und ihre Geschäftspolitik transparenter gestalten. Allerdings sei es noch zu früh, von einem ausgeprägten Trend zu sprechen, denn die Bekanntheit von speziellen Nachhaltigkeitsbanken in Deutschland sei noch vergleichsweise gering.

Dennoch zeigen beide Studien, dass die herkömmlichen Institute zusehen müssen, dass ihnen ihre Kundenbasis nicht auf mittlere Sicht abhanden kommt. Sie werden sich bemühen müssen, sich stärker auf ihre Stärken wie die Präsenz vor Ort und Beratungsdienstleistungen zu besinnen. Ob das allerdings
gelingen kann, wenn Beratung weiterhin in den meisten Fällen gleichzusetzen ist mit Produktverkauf, wage ich zu bezweifeln.

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