Montag, 6. Dezember 2010

Fünf Gründe, warum die US-Geldpolitik toll ist

Jeder, der gerne kocht, dürfte das kennen. Vor kurzem stand ich stundenlang in der Küche, habe geschnippelt, gebraten, gerührt und mich den fünf Michelin-Sternen sehr nahe gefühlt. Mit meinem Gulasch. Doch am Ende schmeckt das Ergebnis erst einmal fad. Also habe ich diverse Gewürze aus dem Schrank gezogen und eine Flasche Rotwein. Vorsichtig und fein dosiert setzte ich eines nach dem anderen ein. Und es passierte gar nichts. Sehr frustrierend. So ähnlich dürfte sich Ben Bernanke fühlen, der Chef der US-Zentralbank Fed, dessen originelle Geldpolitik bisher kaum Wirkung zeigt.

Als nächstes kam es, wie es kommen musste. Ich schraubte die Deckel von den Gewürzgläsern ab und ließ in etwa die Hälfte von jedem in den Topf rieseln. Mindestens. Und ungefähr die halbe Flasche Wein. Das Gulasch musste ich daraufhin mit einigen Litern Wasser strecken und zu Suppe verarbeiten. Was– ja, wir wenden uns ab hier wieder den Chancen und Vorteilen von Krisen zu – für die Flüssigkeitszufuhr bei der Ernährung nicht schlecht ist. Auch Ben Bernake ist diesem Prinzip gefolgt: Nachdem die ersten Runde der Geldmengenerhöhung gar nichts bewirkt hat, hat er einfach mal richtig viel davon eingesetzt. Und Tonnen von Quantitative Easing verwendet. Doch die US-Konjunktur verläuft immer noch recht fad. Daher überlegt er jetzt öffentlich, ob er nicht noch einmal ein paar Säcke dazu schütten soll.

Höchste Zeit also, sich mit den Vorteilen einer drohenden Inflationswelle in den USA zu beschäftigen. Gleich fünf Dinge fallen hier ins Auge:
  1. Was immer noch die Europäische Zentralbank an Sünden in Sachen Staatsanleihenkauf begeht. Es wird keinen mehr aufregen, wahrscheinlich nicht einmal auffallen.
  2. Spüren ist besser als hören: Die ganz junge Generation von Anleger hat keine praktische Erfahrung, wie man bei Inflation richtig investiert. Das könnte sich bald ändern.
  3. Unsere europäischen Politiker können weiter im Tagesrythmus widersprüchliche, erschreckende Botschaften zu Schulden und Währung absondern. Gegenüber dem Dollar wird der Euro dennoch nicht endgültig abstürzen.
  4. Wenn die USA erst einmal in einer Stagflation fest steckt, hat sogar Deutschland vielleicht Chancen, ein paar gut ausgebildete Einwanderer abzubekommen. Die finden die Bürokratie hierzulande dann vergleichsweise weniger schlimm.
  5. Ich werde im kommenden Jahr vermutlich zwei mal in die USA reisen. Sieht so aus, als könnte das billiger werden als gedacht.
Viele Gründe also, um sich wieder einmal ernsthaft zu freuen - wäre das Ganze für die Weltwirtschaft nicht so schrecklich, schrecklich gefährlich.

Lesen Sie auch: Fünf Gründe, warum die Irlandkrise toll ist

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen