Freitag, 28. Januar 2011

Die Freitagsfrage: Wie schrecklich ist das neue Inflationsgespenst?

Eine Meldung wühlt die Verbraucher auf: Im Januar sind die Preise in Deutschland so stark gestiegen wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. 1,9 Prozent über dem Vorjahresniveau liegt der Verbraucherpreisindex. Nun ist die Diskussion entbrannt: Ist das erst der Anfang einer langen neuen Inflationsphase. Oder profilieren sich einige Experten mit Inflationshysterie, obwohl dafür kein Anlass besteht?

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich die Ursachen für Inflation erst einmal im Detail ansehen. Preisdruck kann aus verschieden Gründen entstehen: Zunächst immer dann, wenn mehr Geld als Güter vorhanden ist, zum Beispiel weil die Zentralbank durch niedrige Zinsen die Kreditvergabe fördert. Das ist derzeit definitiv der Fall.

Die Nachfrage kann aber auch durch eine gute Beschäftigungs- und Wirtschaftslage angekurbelt werden, während die Unternehmen nicht schnell genug investieren können, um diese Nachfrage zu bedienen. Zweiteres gilt in der globalisierten Wirtschaft nur noch eingeschränkt, fehlende Güter können leichter aus anderen Ländern beschafft werden als früher. Lediglich in einigen Versorger und Dienstleistungsbranchen gibt es diesen Mechanismus nicht - eine neue Frisur kann man eben nicht aus Vietnam importieren.

Die Globalisierung sorgt aber auch dafür, dass deutsche Verbrauchen mit anderen um die Güter konkurrieren. Und anderswo ist die Lage derzeit schon ganz gut - vor allem in den Emerging Markets. Wächst die globale Nachfrage, steigen oft auch wie derzeit die Importpreise. Die werden bei uns zudem stark von den Rohstoffpreise geprägt. Klettern die wie derzeit stark, müssen das Unternehmen irgendwann einmal mit höheren Preisen weitergeben, wenn sie wirtschaftlich bleiben wollen. Eine wichtige Rolle spielt dabei aber die Währung. Die Faustregel: Eine schwache Währung bringt mehr Inflation, eine starke weniger. Hier sieht Deutschland mit einem zurzeit recht starken Euro relativ gut da.

Die gefährlichste Inflationsform ist allerdings eine, die in einen Preis/Lohn-Zyklus mündet. Weil Preise steigen, werden die Forderungen nach größeren Lohnsteigerungen durchgesetzt, was wieder zu höheren Kosten bei den Unternehmen und damit steigenden Preisen und anschließend direkt in die nächste Lohnrunde führt.

Mit Ausnahme des starken Euro deuten derzeit alle einzelnen Faktoren auf mehr Inflation hin. Die Rohstoffpreise legten heftig zu, die deutschen Erzeuger wollten im vergangen Dezember im Schnitt 5,3 Prozent mehr für ihre Güter als ein Jahr zuvor, die Großhandelspreise (die allerdings ebenfalls stark von Rohölpreisen beeieinträchtig wurden) stiegen um satte 9,5 Prozent, die Einfuhrpreise trotz stabilem Euro gar um 12 Prozent. (Die Orginaldaten des statistischen Bundesamtes finden Sie hier)

Und in den kommenden Lohnverhandlungen werden sicher höher Forderungen durchsetzbar sein, als in den vergangene Jahren. Lediglich die Zentralbank hat angedeutet, dass sie bereit wäre, die expansive Geldpolitik zurückzunehmen, sollte die Inflationsgefahr weiter steigen. Ihr Handlungsspielraum dafür ist angesichts der Schuldenkrise der europäischen Staaten jedoch eher mäßig.

Es müsste also etwas noch nie da gewesenes passieren, wenn die Inflation in naher Zukunft einfach von selber verschwindet. Vieles spricht dafür, dass das Problem tatsächlich ein ernstzunehmendes wird. Und dass sich Anleger an die Erkenntnisse aus vergangenen Inflationphasen erinnern sollten: Langlaufende Anleihen sind bei Inflation der Verlierer, Sachwerte wie Aktien in der Regel der Gewinner. Und Gold ist zwar häufig ein guter Inflationsschutz - die vergangenen Wochen haben aber gezeigt, dass man damit trotzdem Verluste machen kann.

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