Mittwoch, 23. Februar 2011

Die Griechenland-Krise kommt erst noch

Es ist ruhiger geworden um die Schuldenkrise in Europa. Die Devisenmärkte spielen Normalität: Mit 1,37 Euro je Dollar ist die Gemeinschaftswährung erstaunlich stabil. Doch verdrängt ist nicht gelöst. Das machte jetzt der europäische Sachverständigenrat laut Medien mit neuen Äußerungen zur Situation in Griechenland klar: Trotz immenser Sparmaßnahmen steigen die Staatsschulden dort munter weiter, das Land werde nicht in der Lage sein, seine Schulden zurückzuzahlen. Ganz im Gegenteil: Griechenland braucht mehr Geld, viel mehr Geld. Ist eine Rückkehr zur Drachme doch der beste Weg?

Das klingt verlockend: Die Griechen bekommen ihre Drachme zurück, die wertet heftig ab und die Industrie ist auf einen Schlag international wettbewerbsfähig. Und wir alle fahren nächsten Sommer auf eine nette griechische Insel und schwärmen über die niedrigen Preise in Hotels und Restaurants. Leider hat das Ganze natürlich auch dicke Hacken: Die Schulden wird Griechenland so nicht los. Stattdessen steigen sie mit einem Schlag erheblich an, denn sie sind in teuren Fremdwährungen nominiert. Und die Finanzmärkte werden sich dann Irland, Portugal und Spanien vorknöpfen, die über kurz oder lang ebenfalls aus dem Euro-Verbund herausgedrängt werden könnten.

Der Rest des Euro-Raums wäre dann ein Bollwerk der Stabilität, die Kern-Gemeinschaftswährung würde heftig aufwerten, die Wettbewerbsfähigkeit auch für Deutschland und Österreich sinken. Bleiben also nur das zu tun, was die Gemeinschaft seit einiger Zeit versucht? Durch direkte Kredite und den Aufkauf von Staatsanleihen die Schulden übernehmen. Auch Euro-Anleihen mit einem einheitlichen Zins für alle Länder, würden in dieselbe Richtung arbeiten.

Axel Weber, der scheidende Bundesbankpräsident hat sich nun in einem Beitrag für die Financial Times zu dem Thema gemeldet. Und es wird klar: Sein Abgang hat damit zu tun, dass er diese Vorgehensweise für absolut untragbar hält und damit in den Euro-Finanzkreisen zunehmend isoliert dastand. Im Prinzip hat er Recht. Solange die Staaten des Euro-Raumes souverän über ihre Finanzpolitik entscheiden, kann niemand verlangen, dass jemand die Schulden der Anderen trägt. Doch einfach gar nichts tun, führt unweigerlich in die Staatspleite Griechenlands – und was dann?

Warum spricht eigentlich kaum jemand über die dritte Möglichkeit, die es gibt? Umschuldung für Pleitestaaten. Damit hat die Finanzwelt bisher ganz gute Erfahrungen gemacht: In Afrika beobachten wir derzeit ein Wachstumswunder, nachdem die internationale Gemeinschaft hier im großen Stil mit Schuldenerlassen gearbeitet hat. Die Schuldenkrise in Lateinamerika in den 80er Jahren wurde mit Hilfe großangelegter Umschuldungen für öffentliche und private Gläubiger gelöst. Heute gehört der Subkontinent zu den stabilsten und am schnellsten wachsenden Regionen der Welt.

Natürlich ist auch Umschuldung teuer. Auch die internationale Gemeinschaft und die Europäische Zentralbank müssten auf Forderungen verzichten und zudem eventuell einzelne Banken unterstützen, die übermäßig in den betroffenen Ländern engagiert sind um eine neue Finanzkrise zu verhindern. Und auch für Griechenland wäre diese Möglichkeit alles andere als gemütlich: Harte Sparmaßnahmen und hohe Zinsen wären notwendig, um sich neues Vertrauen an den Märkten zu erarbeiten. Doch insgesamt wären die Kosten wahrscheinlich niedriger als die aller anderen Wege. Bisher gilt das aber als Tabu in der politischen Diskussion. Nur die Finanzmärkte scheinen sich allmählich auf diese Möglichkeit einzustellen. Immerhin bewerten sie den Euro hoch, differenzieren aber klar zwischen den Zinsen, die sie für die Staatsanleihen einzelner Länder verlangen. Sieht so aus als wären die Märkte wieder einmal einfach schneller als die Politik.

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