Montag, 28. Februar 2011

Ein Rating ist hilfreich - aber auch nicht mehr

Es war schon einmal gemütlicher eine Rating-Agentur zu leiten als heute. Denn seit der Finanzkrise stehen die Agenturen international unter Beschuss. Auch mit juristischen Mitteln: Inzwischen häufen sich rund um den Globus die Klagen gegen Moody’s, S&P oder Fitch. Zumeist steht das Versagen der Agenturen bei der Bewertung von Investmentpapieren während der Finanzkrise im Mittelpunkt. Doch nun klagt ein spanischer Anwalt gegen die drei großen Branchengiganten, weil er „dubiose Machenschaften“ im Zusammenhang mit der Herabstufung Spaniens im Rahmen der Schuldenkrise vermutet.

Gonzalo Boye, der auch schon mal in Sachen Guantánomo gegen die US-Regierung geklagt hatte, deutet in einem Interview mit dem „Spiegel“ dabei an, dass einige wenige von der Herabstufung der spanischen Anleihen profitieren konnten, die „davor davon wussten“. Trifft das zu, wäre das tatsächlich ein schwerer Fall von Insiderhandel, der aufgedeckt und verfolgt werden muss.

Doch wie sieht es mit der Haftung für falsche Bewertungen aus? In den USA und in Deutschland versuchen Anleger mit Millionen- oder gar Milliardenklagen ihre Verluste im Zusammenhang mit der Lehman-Pleite von Moody’s, S&P oder Fitch zurück zu holen - bislang ohne Erfolg.

Doch das Vertrauen ist weg. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC zeigte verschiedentlich ihren Unmut gegenüber den Agenturen und nahm nun einige Wertpapiere von der Ratingpflicht aus. Und die Agenturen selber? Sie spielen ihre Rolle dabei herunter. „Moody`s hat lange davor gewarnt, sich in Sachen Regulierung zu sehr auf Ratings zu verlassen“, steht in einer Stellungnahme von Moody’s gegenüber dem „Manager-Magazin“.

Ja brauchen wir denn dann überhaupt noch Rating-Agenturen, wenn sie selber dazu raten, ihr Urteil nicht allzu ernst zu nehmen? Wohl schon, denn sie erleichtern Privatanlegern und professionellen Investoren die Vorauswahl von Wertpapieren. Das kann aber weder eine gesunde Portion Skepsis gegenüber dem Agentur-Siegel ersetzen, noch die ständige Beschäftigung mit den eigenen Investments. Agenturen reagieren oft nur mit Verzögerung auf eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen.

Und in einem hat Moody’s Recht: Wenn die Gesetzgeber ihre Regeln für Investments von Finanzhäusern an Ratings binden, wird es schnell mal richtig gefährlich – zumindest diese Erkenntnis sollten Politiker aus der Finanzkrise gelernt haben.

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