Mittwoch, 13. Februar 2013

Analysten lieben Apple - und trotzdem fällt der Kurs

Es ist kein gutes Zeichen, wenn eine Aktie nach dem Treffen des Unternehmenschefs mit Analysten fällt. So gesehen stehen die Signale für die Apple-Aktie eigentlich schlecht. Denn der Kurs fiel gestern in New York um 2,5 Prozent, nachdem Tim Cook auf der Technologiekonferenz von Goldman Sachs seine Vorstellungen präsentiert hatte. Trotzdem gilt vielen Apple inzwischen als Schnäppchen.

Im vorigen Herbst konnten die Anleger nicht viel genug von Apple-Aktien bekommen - und der Kurs stieg unaufhaltsam bis auf gut 700 Dollar. Inzwischen, bei Notierungen, die mit 467 Dollar etwa 35 Prozent niedriger liegen, wollen die Investoren immer noch nicht anbeißen. Obwohl die nackten Kennzahlen für einen Einstieg sprechen.

Gemessen am KGV zählt der Technologiekonzern mit gut 10 für das laufende Geschäftsjahr und erwarteten 9 für 2013/14 zu den preiswertesten Standardwerten in den USA. Zum Vergleich, der S&P 500 weist für 2013 ein Durchschnitts-KGV von etwa 15 auf. Nimmt man dann noch hinzu, dass im Börsenwert von 440 Milliarden Dollar 137 Milliarden Dollar Cash enthalten sind, wird klar, dass Analysten, die sich auf quantitative Modelle stützen, die Apple-Aktie für klar unterbewertet halten. Laut Bloomberg geben 51 von 64 Analysten zurzeit Kaufempfehlungen ab.

Warum kommt die Aktie trotzdem nicht auf die Beine? Ein Grund ist sicherlich, dass so mancher Großanleger erst abwarten will, ob Tim Cook ein ebenso erfolgreiches Händchen mit dem Produktangebot hat wie der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs. Angesichts der riesigen Gewinnmargen, die Apples Hochpreisgeräte erzielen, darf sich das Unternehmen keinen Fehlschlag leisten. Falls Apples Margen auf das - immer noch hohe - Niveau des Hauptkonkurrenten Samsung absinken sollten, wäre es mit den gewohnten starken Gewinnsteigerungen erst einmal vorbei. Viele Anleger haben wohl noch den Niedergang von Nokia im Hinterkopf, die binnen weniger Jahre vom einsamen Weltmarktführer zum Nachzügler geworden sind.

Trotz dieser Vorbehalte spricht aber nicht nur die günstige Bewertung dafür, dass die Talfahrt von Apple zu Ende geht. Tim Cook will, nachdem er bereits 2012 die Dividenzahlungen aufgenommen hat, auf Drängen von Hedge Fonds künftig noch mehr an die Anleger ausschütten und zudem ein Aktien-Rückkaufprogramm starten. Das könnte Apple erstmals zu einer Dividendenperle machen, weil Renditen von drei bis sechs Prozent als denkbar angesehen werden. Und Dividenden sind es, die Großanleger angesichts der Niedrigzinsen von Anleihen zurzeit besonders brauchen. Hedgefonds-Manager David Einhorn, der Apple dazu zwingen will, mehr Geld an die Aktionäre auszuschütten, könnte damit einen wichtigen Anstoß für die Aktie geben. Ob jedoch Apple so schnell wie es manche erwarten wieder die alten Kurshöhen erreichen kann, hängt vor allem davon ab, ob die Produkte ähnlich gut einschlagen wie diejenigen, die noch Steve Jobs angestoßen hat.

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