Dienstag, 8. April 2014

Die Angst vor einem Crash der Tech-Aktien geht um

Anführer der Börsenhausse wie Tesla, Facebook, Groupon oder Biogen sind in den letzten Tagen böse unter die Räder geraten. Immer mehr Analysten verweisen jetzt auf die extrem hohe Bewertung von Nasdaq und Co. Und so mancher Experte sieht einen Crash voraus, der bei den Technologieaktien beginnen und sich auf die anderen Börsensegmente ausbreiten werde. Sind die Ängste berechtigt?

Warner gab es schon länger, die das Kursfeuerwerk bei Börsengängen aus dem Tech-Sektor und die steile Aufwärtsbewegung der Notierungen bei Internet-, Biotech oder Social-Media-Aktien als Vorboten eines Crashs ansehen. Sie verweisen darauf, dass die Euphorie derjenigen der Jahrtausendwende ähnelt, als die Wahnsinns-Bewertung vieler Tech-Werte in einen furchtbaren Crash mündete, der auch die Aktien der Old Economy mit in die Tiefe riss.

In der Tat sind die meisten Tec-Aktien inzwischen stark überbewertet. Laut Bloomberg ist das KGV des Nasdaq Compositie auf Basis der berichteten Gewinne - also üblicherweise für 2013 - mit 31,8 fast doppelt so hoch wie das KGV des S&P 500 mit 17. Nimmt man die Anlystenschätzungen für 2014 als Anhaltspunkt, sieht es allerdings schon wesentlich weniger gefährlich aus, auch wenn das KGV mit 23,3 immer noch sehr hoch ist. Aber es waren ja beileibe nicht nur die amerikanischen Technologietitel, die jegliche Bodenhaftung verloren hatten, auch die asiatischen, insbesondere einige chinesische, stürmten teilweise in Bewertungshöhen, die auf Dauer untragbar sind. Deshalb ist der jüngste Einbruch der Nasdaq um rund vier Prozent überfällig und damit gesund.

Da heute in den USA die Berichtssaison für das erste Quartal 2014 beginnt, wird das Ausmaß des Rückschlags stark davon abhängen, ob die hochgejubelten Tech-Titel die hochgesteckten Érwartungen wenigstens einigermaßen erfüllen können. Anleger, die jetzt auf hohen Gewinnen mit Internet- oder Biotechaktien sitzen, werden diese Unsicherheitsphase vermutlich weiterhin nutzen, um einen Teil der Gewinne mitzunehmen. Deshalb ist es durchaus wahrscheinlich, dass es noch weiter abwärts gehen wird mit den Aktien der Hype-Branchen.

Allerdings spricht einiges dafür, dass es nicht zum großen Crash kommen wird sondern nur zu einer heftigen Korrektur. Denn die Weltwirtschaft und insbesondere die amerikanische Konjunktur stehen am Beginn einer neuen Aufwärtsbewegung - und das ist nicht die Zeit für Verkaufspaniken. Angesichts der Überbewertungen im Tech-Sektor könnte das eher eine zeitweilige Rotation aus Hype-Titeln in solide Industrieaktien bewirken und so für einen ausgewogeneren Börsenaufschwung sorgen. Es sei denn, die Ukraine-Krise läuft völlig aus dem Ruder. Dann müssen die Drehbücher ohnehin neu geschrieben werden.

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