Freitag, 11. April 2014

Freitagsfrage: Fallen die Renditen der Lebensversicherungen unter den Garantiezins?

Die Renditen der Lebensversicherungen geraten wegen der Niedrigzinsen immer stärker unter Druck. Nun warnt aber eine Studie der Ratingagentur Moody`s davor, dass steigende Kapitalmarktzinsen für viele Versicherer noch schlimmer sein könnten und sogar die Garantieverzinsung in Gefahr sei. Wie groß ist das Risiko?

Laut FAZ sieht die Ratingagentur "ein hohes Risiko, dass die Rendite der Lebensversicherungen unter den Garantiezins fällt". Moody`s begründet das ausnahmsweise nicht mit der anhaltenden Tiefstzinsphase, sondern mit den Kursverlusten, die ein Anstieg der Anleihenzinsen bewirken könnten. Da die Assekuranz den Löwenanteil der für ihre Kunden getätigten Kapitalanlagen in Anleihen hält, ist diese Gefahr nicht zu unterschätzen. Das sehen wohl auch die Versicherer so. Deshalb kämpfen sie ja so verzweifelt darum, dass die Regierung die vorgeschriebene Verteilung der Hälfte der Bewertungsreserven an die ausscheidenden Kunden stoppt.

Warum aber ist ein Zinsanstieg am Rentenmarkt für die Versicherungen so übel? Weil sie bisher die hohen Garantien von bis zu vier Prozent, die sie in den 1990er Jahren gegeben haben, nur darstellen können, weil sie noch einen erheblichen Bestand an hochverzinsten Anleihen ausweisen. Beispielsweise die 4prozentige Bundesanleihe von 2007 mit Laufzeit bis 2018. Diese Anleihe weist derzeit einen Kurs von 113 % auf, bedingt durch den seitherigen Zinsrückgang, der sich spiegelbildlich in einem Kursanstieg der Anleihe ausdrückt. Falls nun die Anleihenrenditen steigen, nimmt die Attraktivität der Altanleihen ab und deren Kurse fallen. Und das um so stärker, je länger die Laufzeit ist.

Das würde die Bewertungsreserven der Hochprozenter deutlich reduzieren und - schlimmer noch - die Kurse der Bonds, die in den letzten Jahren mit Zinskupons von unter zwei Prozent gekauft wurden, unter die 100 % Emissionskurs drücken. Und dann hätten die Versicherer flugs statt stattlicher stiller Reserven von derzeit über 60 Milliarden Euro stille Lasten, also Buchverluste. Und dann würde es noch schwerer als jetzt, die alten Garantieversprechen einzuhalten, weil der Puffer fehlt.

Eine ausgeprägte Zinswende an den Rentenmärkten aber wird irgendwann kommen, ob schon in diesem Jahr, wie Moody`s vermutet, ist zwar fraglich, aber das Risiko in den Jahren danach ist groß. Und weil auch die Regierung, die Bundesbank und die Finanzaufsicht BaFin das ähnlich sehen, wollen sie unbedingt frühzeitig die Verteilung der Bewertungsreserven stoppen, um so den Abfluss von Kurs- und Zinsreserven zu verhindern. Denn eine reihenweise Kappung der Garantiezinsen wäre für das wichtigste Altersvorsorgeprodukt der Deutschen wohl der Todesstoß.

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