Dienstag, 1. April 2014

Schäuble läutet zu früh das Sterbeglöckchen für die Tiefstzinspolitik

Wolfgang Schäubles Finanzministerium hat am Wochenende für Furore gesorgt, weil es das Ende der extremen Niedrigzinsphase im Euroraum nahen sieht. Bevor es jedoch dazu kommt, dürfte der Trend bei den Notenbankzinsen aber eher noch weiter unten weisen - nur bei den Anleihenrenditen könnte er recht behalten.

Natürlich muss ein Finanzminister vorsichtig kalkulieren, wenn er die Haushaltsplanungen für die kommenden Jahre  macht. Insofern ist es durchaus verständlich, dass er schon bald erste Zinserhöhungen der EZB erwartet und auch mit einem Anstieg der Zinsen für "seine" Bundesanleihen auf über zwei Prozent rechnet. Die jüngsten Daten lassen aber vermuten, dass die Zinsreise in Euroland vorher eher nach unten geht als nach oben. Denn die Inflationsraten entfernen sich immer weiter von den angestrebten knapp zwei Prozent, die in den Augen der EZB Preisstabilität bedeuten.

Im Euroraum haben die Preise im März nur noch um durchschnittlich 0,5 Prozent zugelegt und nähern sich damit bedrohlich dem Alptraum jedes Notenbankers, der Deflationszone, also einem Preisniveaurückgang. Auch in Deutschland war die Teuerung im März geringer als erwartet und betrug nur noch ein Prozent. Das Problem sind jedoch die Süd-Staaten, die teilweise bereits Preisrückgänge verzeichnen - zuletzt auch Spanien. Noch kann EZB-Chef Mario Draghi darauf verweisen, dass das ja durchaus gewollt ist, weil die Schuldnerstaaten ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern müssen - und das geht nur über sinkende oder kaum noch steigende Lohnkosten. Freilich muss die EZB aufpassen, dass sich der Trend zu einem sinkenden Preisniveau nicht verselbständigt und die gefürchtete Deflationsspirale in Schwung kommt. Deshalb ist es durchaus möglich, dass Draghi nach der Ratssitzung an diesem Donnerstag zumindest einen Hinweis auf baldige Aktionen - sei es eine weitere Zinssenkung oder eine Ausweitung der Liquidität - geben wird, möglicherweise sogar schon zur Tat schreitet, so wie es der IWF gefordert hat.

Mit Schäubles baldigem Anstieg der Notenbankzinsen wird es also vorerst kaum etwas werden, zumal auch die neue US-Notenbankchefin Janet Yellen am Wochenende zurückgerudert ist und die Märkte zu überzeugen versucht, dass die erste Zinssenkung eher später denn früher kommt als sie es vor kurzem noch angedeutet hatte.

Während also bei den kurzfristigen Zinsen die Zeichen noch nicht auf Wende stehen, sieht es bei den Anleihenrenditen schon anders aus. Die Verzinsung der Bundesanleihen ist bereits leicht gestiegen und die Reise kann durchaus weiter nach oben gehen. Denn erstens schichten Anleger Gelder aus den als ultrasicher geltenden Bundesanleihen in renditestärkere Papiere Spaniens, Italiens und anderer Euro-Staaten um. Das treibt die Zinsen ebenso nach oben wie die Aussicht, dass die Niedrigzinsphase zwar nicht bald, aber doch spätestens 2016 endet - und da ist es allemal besser, rechtzeitig langfristige Anleihen abzubauen, weil sie von deutlichen Kursverlusten bedroht sind. Ein Anstieg der Renditen zehnjähriger Bundesanleihen von gut 1,5 Prozent auf über zwei Prozent, wie vom Finanzministerium unterstellt, ist deshalb bis 2015 durchaus wahrscheinlich.

Sowohl die Aussichten für die kurz- als auch für die langfristigen Zinsen lassen für Anleger aber nur einen Rückschluss zu: Zinsanlagen bleiben noch für eine ausgedehnte Zeitspanne uninteressant - die Umschichtungsbewegung in Aktien und Immobilien wird deshalb noch länger die Aktienkurse und Immobilienpreise antreiben.

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