Freitag, 23. Mai 2014

Freitagsfrage: Wann rufen wir das Ende der Eurokrise aus?

Große Fortschritte seien gemacht, die Gefahren aber noch nicht wirklich gebannt – so oder so ähnlich klingt es in den vergangenen Monaten immer, wenn Politiker oder Notenbanker über die Eurokrise sprechen. Doch nun wurden Spanien und sogar Griechenland von Ratingagenturen hochgestuft. Ist es also an der Zeit, ganz offiziell das Ende der Krise zu verkünden?


Definitiv vorbei ist die Spekulationswelle gegen einen Fortbestand des Euro, so viel steht fest. An den Zinsmärkten sind die hohen Risikoaufschläge für die Krisenländer seit einiger Zeit dramatisch abgeschmolzen – vielleicht sogar ein Stück zu weit. Denn nach wie vor sind die wirtschaftlichen Verhältnisse in einigen der Länder fragil, der Zinsaufschlag dafür erscheint zumindest mir zu niedrig.

Doch bedeutet das Ende der Spekulationswelle auch ein Ende der Krise? Vieles spricht dafür, nicht nur die besseren Noten der Ratingagenturen:

- Immer mehr Krisenstaaten verlassen den Eurorettungsschirm. Das heißt zwar nicht, dass sie die Notkredite zurückgezahlt haben, aber immerhin, dass sie keine weiteren Finanzmittel der internationalen Gemeinschaft brauchen;

- der Rückgang der Wirtschaftsleistung scheint gestoppt;

- die Finanzmärkte vertrauen nicht nur wieder den Zinspapieren der angeschlagenen Länder, sondern auch unserer Währung. Der Kurs des Euro steht derzeit so hoch, dass die Europäische Zentralbank auch deshalb vermutlich noch einmal die Zinsen senken wird;

- die Staatsverschuldung vieler Länder ist nach wie vor hoch, in den USA zum Beispiel ist sie aber wesentlich höher.

Fast ist man also in Versuchung, passend zur Europawahl die gelungene Rettung des Euro auszurufen. Wenn, ja wenn da nicht die Rolle der Europäischen Zentralbank wäre.

Sie alleine hat die Macht, die Währung mit unbeschränkten Mitteln am Leben zu erhalten. Den Wendepunkt der Spekulationswelle gegen den Euro markierte dann auch die Ankündigung von EZB Chef Mario Draghi vor rund einem Jahr, zu tun "was immer nötig sei" um den Euro zu retten.

Klar ist: Ohne diese Unterstützung der EZB würde der Euro sofort wieder unter Beschuss der Finanzmärkte geraten. Und wir alle bezahlen für diese Politik mit Minizinsen auf unsere Sparguthaben, Lebensversicherungen und Einlagen.

Dennoch hat die harte Medizin gewirkt. Der Patient Euro ist aber außer Lebensgefahr. So gesehen stimmt es wohl tatsächlich: Die Eurokrise ist vorbei.

Ohne die Dauertherapie durch die EZB wäre sie aber ganz schnell wieder da. Denn die Strukturprobleme der künstlichen Gemeinschaftswährung sind nicht behoben.

Zeit also, darüber nachzudenken, wie der der Euro grundlegend kuriert werden könnte. Dafür müsste die gemeinsame Währung auch durch gemeinsame Ausrichtung der Wirtschafts- und Fiskalpolitik unterlegt werden. Nur so kann sie ohne die ständige Unterstützung durch die Geldpolitik auskommen.

Es bleibt zu hoffen, das Europas Politiker das nicht aus den Augen verlieren. Heute können wir vielleicht das Ende der Eurokrise feststellen. Noch lieber würde ich zur nächsten oder übernächsten Europawahl das Ende der geldpolitischen Therapie für den Euro ausrufen.


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