Freitag, 18. Juli 2014

Freitagsfrage: Killen Ukraine- und Gaza-Krise den Aufschwung?

Alles schien gerichtet für eine weltweite Belebung der Konjunktur. Nun aber, nach der Eskalation der Kriege um Gaza und die Ost-Ukraine und erst Recht nach dem vermutlichen Abschuss der Air-Malaysia-Maschine, werden Zweifel laut. Können die beiden Krisenherde die Weltkonjunktur tatsächlich killen?

Wenn man die Reaktionen der Börse betrachtet, so ist diese Angst zwar vorhanden – aber nicht sehr groß. Zu stabil und breit angelegt erscheint den Anlegern die Konjunkturerholung in weiten Teilen der Welt, insbesondere in den USA. Das schwächste Glied in der Kette ist aber auch am stärksten gefährdet: Europa. Hier ist, mit Ausnahme von Deutschland, die Konjunktur noch so zerbrechlich, dass bereits eine kurze Unterbrechung der noch jungen Auftriebskräfte einen neuen Abschwung einleiten könnte. Bereits vor Wochen hat die EU-Kommission davor gewarnt, dass allein wegen der Ukraine-Krise und den deshalb drohenden Sanktionen gegen Russland in einigen Ländern das Wachstum um bis zu ein Prozent niedriger als veranschlagt ausfallen könnte. Und da die meisten Euro-Staaten 2014 ohnehin um weniger als ein Prozent zulegen sollen, bliebe dann nicht mehr viel übrig.

Neben den Folgen der Russland-Sanktionen für viele Unternehmen – zum Beispiel ist Russland der fünftgrößte Auto- und der viertgrößte Maschinenbau-Markt für Deutschland – könnten aber mehr noch die indirekten Effekte für Probleme sorgen: Unternehmen halten ihre Investitionen oft zurück, wenn die politische Unsicherheit wächst. Das könnte den Auftrieb dämpfen. Und eine weitere Verschärfung der Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine könnte doch noch zu einer merklichen Verteuerung von Öl und anderen Rohstoffen führen, so wie sich das zuletzt angedeutet hat. Deutlich höhere Energiepreise wären gerade für die konjunkturell labilen Länder Südeuropas eine enorme Belastung. Aber nicht nur für sie, sondern auch in vielen Staaten außerhalb des Alten Kontinents könnte das die Dynamik bremsen.

Noch sind die ökonomischen Folgen der beiden Großkonflikte zu schwach, um die weltweiten Aufschwungkräfte außer Kraft zu setzen – aber die Erfahrungen früherer Konjunkturzyklen zeigen, dass gerade am Beginn einer Erholung eine Phase lang anhaltender Unsicherheiten und Irritationen das Klima so sehr belasten können, dass die Konjunktur nach unten dreht. Anleger sollten diese Möglichkeit, auch wenn sie jetzt noch als relativ klein erscheint, in ihren Entscheidungen berücksichtigen und nicht ohne Wenn und Aber auf eine Fortsetzung des Aufschwungs setzen.

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1 Kommentar:

  1. 6 Tage nach diesem Bericht werden Sanktionen Realität und die Krisenherde verschlimmern sich zunehmend, was keine guten Vorzeichen für die wirtschaftliche Entwicklung sind.

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