Montag, 7. Juli 2014

Jetzt lohnen sich Auslandsaktien doppelt

Für viele Anleger war es frustrierend: Ihre amerikanischen, britischen oder kanadischen Aktien stiegen und stiegen - aber leider kam nur ein Teil der Kursgewinne bei ihnen an. Denn lange Zeit hatte der starke Euro höhere Aktiennotierungen am jeweiligen Heimatmarkt bei der Umrechnung zu einem erheblichen Prozentsatz weggefressen. Aber das dürfte sich jetzt ändern. EZB und Euroraum-Politiker wollen den Euro um jeden Preis schwächen - und damit brechen für Besitzer von Auslandsaktien bessere Zeiten an.

Um rund 10 Prozent teurer als ein Jahr zuvor war der Euro noch im Mai gegenüber dem Dollar gewesen, als die 1,40 Dollar-Marke für die Gemeinschaftswährung gefährlich nahe gerückt war. Bei Aktien, die in dieser Zeit um 20 Prozent zugelegt hatten, blieb für deutsche Anleger nur etwa die Hälfte hängen, bei Dividendentiteln, die um weniger als 10 Prozent gestiegen waren, stand unter dem Strich sogar ein Minus.

Seither hat sich der Eurotrend jedoch gedreht. Aber mit knapp 1,36 Euro ist die Währung für viele Unternehmen immer noch viel zu hoch, um international mithalten zu können. Die EZB hat es sich aus diesem Grund auf ihre Fahne geschrieben, die Gemeinschaftswährung weiter zu schwächen. Mit den Zinssenkungen von Anfang Juni hat das allerdings enttäuschend wenig geklappt. Deshalb werden die Frankfurter Währungshüter in den nächsten Monaten zusätzliche Geschütze auffahren, um den Euro zu drücken. Entscheidend ist dabei die von EZB-Chef Mario Draghi vorige Woche angekündigte neue Geldspritze für Europas Banken in Höhe von bis zu einer Billion Euro. Denn das würde das größte Handicap abbauen, das bisher einem deutlicheren Euro-Rückgang im Weg stand.

Im Gegensatz zu den Notenbanken der USA, Großbritanniens oder Japans hat die EZB ihre Bilanzsumme nämlich nicht maßlos aufgebläht, sondern in den vergangenen Jahren sogar massiv verringert. Und nach dem Knappheitsprinzip hat das den Euro so sehr in die Höhe getrieben, dass vor allem die Krisenländer aus Südeuropa darin eine unüberwindliche Hürde für einen stärkeren Konjunkturaufschwung sehen. Mit der zusätzlichen Billion weitet die EZB nun ihre Bilanzsumme stark auf, während gleichzeitig die USA und Großbritannien die Geldschwemme einzudämmen beginnen und vermutlich auch viel früher mit Zinserhöhungen starten werden als die EZB. Der Euro dürfte deshalb in den kommenden Monaten und wahrscheinlich sogar Jahren eher zur Schwäche neigen und damit Anlegern, die in Fremdwährungsaktien investieren, zusätzlich zu den Kursgewinnen noch schöne Währungsgewinne bescheren. Sozusagen ein Doppelschlag in Sachen Rendite.

Mit anderen Worten: Anleger, die jetzt den Anteil ihrer Auslandsaktien erhöhen, haben gute Chancen, eine bessere Performance zu erzielen als mit einem Portfolio, das überwiegend aus deutschen Aktien besteht - so wie es bei vielen Anlegern der Fall ist.

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