Dienstag, 22. Juli 2014

4 Gründe für ein Ende der Anleihenhausse - und ein Put auf den Bund-Future

Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen sind in der vorigen Woche auf 1,14 Prozent gefallen und waren damit nur noch einen Basispunkt vom Rekordtief vom Sommer 2012 entfernt. Bond-Bullen, insbesondere aus dem Lager der Chartisten, gehen jetzt fest davon aus, dass die 10-Jahres-Rendite unter 1,0 Prozent sinken wird. Aber manches spricht dafür, dass der jüngste Renditesturz das Finale der jahrzehntelangen Hausse einleitet.

Erstens dürfte der Tiefflug der Inflationsraten in Deutschland zu Ende gehen. Wenn sogar schon die Bundesbank die Tarifpartner zu höheren Lohnabschlüssen auffordert, werden sich die Gewerkschaften das nicht zweimal sagen lassen und Erhöhungen aushandeln, die weit über der jetzigen Inflationsrate von einem Prozent liegen. Das wird den Preisanstieg befeuern und damit auch die Renditen allmählich nach oben drücken. Verstärkt wird das noch durch die Teuerungsauswirkungen von Mindestlohn und Rentenreform.

Zweitens ist der Euro seit der Leitzinssenkung der EZB und der Ankündigung neuer Liquiditätsspritzen auf dem Rückzug. Und die Schwäche der Gemeinschaftswährung dürfte anhalten, da EZB und Politik alles daran setzen werden, den Euro weiter zu drücken, um die Konjunktur zu stützen. Das bedeutet aber auch, dass Anleger von außerhalb des Euroraums, die bisher zu den wichtigsten Käufern gehört haben, Währungsverluste erleiden, wenn sie weiterhin ungebremst Bundesanleihen kaufen. Das schmälert deren Gesamtrendite oder lässt sie sogar negativ werden. Und das dürfte die Nachfrage reduzieren.

Drittens gehen lange Haussen häufig mit einem Doppelhoch (in dem Fall bei den Anleihenkurse und dem Bund-Future) zu Ende. Und das haben wir vorige Woche nahezu erreicht. Möglich, dass es  angesichts der politischen Unsicherheiten vorher noch zu einem Rekordtief knapp unterhalb von 1,13 Prozent kommen wird, aber das wäre nicht mehr dramatisch.

Viertens erklären immer mehr Großanleger, dass ihnen die Renditen von Staatsanleihen inzwischen zu niedrig seien und sie nach Alternativen suchen. Am Wochenende hat eine entsprechende Ankündigung der Allianz für Aufsehen gesorgt. Und wenn der größte deutsche Käufer von Staatsanleihen seine Käufe reduzieren will, werden das kleinere Konkurrenten nachmachen.

Spekulative Anleger können auf eine Wende am Rentenmarkt mit einem Put auf den Bund-Future setzen. Die Laufzeit sollte allerdings lang sein, falls die Chartisten doch recht bekommen und die Rendite noch unter 1 Prozent abtaucht. Spätestens dann aber wäre ein so starker Grad an Euphorie erreicht, wie er meistens einer Wende vorangeht.

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