Montag, 28. Juli 2014

Yukos Urteil verstärkt Probleme am Moskauer Aktienmarkt

50 Milliarden Dollar - so viel muss der russische Staat ehemaligen Eigentümern des Ölgiganten Yukos zahlen. Nach einem Urteil des Schiedsgericht in Den Haag war der Konzern unrechtmäßig enteignet worden ohne dass die Eigentümer angemessen entschädigt worden wären. Die Börse Moskau reagiert mit einem weiteren Kursrutsch.

Das Gericht hält es für nachgewiesen, dass der Staat den Konzern vor mehr als 10 Jahren nicht primär zerschlagen hatte um Steuern einzutreiben, sondern um ihn in den Ruin zu treiben. Der damalige Großaktionär und Chef des Konzerns Michael Chodorkowski wurde anschließend in zwei spektakulären Prozessen zu Lagerhaft verurteilt.

Beobachter waren immer davon ausgegangen, dass beides - die Zerschlagung von Yukos und die Verurteilung und langjährige Inhaftierung Chodorkowskis - vor allem politische Gründe hatte. Chordorkowski hatte sich zuvor politisch engagiert und Präsident Putin kritisiert.

Überraschend kommt das Urteil  nicht - im Vorfeld war weniger über die Richtung der Entscheidung denn über die Höhe der Entschädigung gerätselt worden. Mehr als 100 Milliarden Dollar hatten die ehemaligen Eigentümer gefordert, nur die Hälfte wurde Ihnen nun zugestanden.

Russland wird diese Urteil natürlich dennoch nicht anerkennen und eine weitere gerichtliche Instanz anrufen. Schaden hat es dem Land aber bereits jetzt zugefügt: Die Börse in Moskau setzt ihren steilen Abwärtstrend fort. Seit Ende Juni hat der RTS Index in Euro nun knapp 15 Prozent verloren. Vor allem die Aktien von Rosneft, der Ölfirma die große Teile der Yukos Produktionsstätten übernommen hatte, sind unter Druck.

Doch auch andere Großkonzerne könnte weitere Probleme bekommen. Sie sind teilweise ohnehin von den Sanktionen der westlichen Länder betroffen und haben kaum mehr Zugang zu westlichen Finanzmärkten. Und sollte ein weiteres Gericht das Yukos Urteil bestätigen, droht all den Unternehmen, die mehrheitlich in der Hand des russischen Staates sind, noch mehr Ungemach: Dann könnte bei verzögerter Zahlung der Entschädigung jederzeit ihr Auslandsvermögen konfisziert werden.

Derzeit gibt es kaum Anlass zu glauben, dass das Vertrauen der Anleger in Russland so schnell zurückkommt.

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