Dienstag, 9. September 2014

Die Zeit ist reif für Schwellenländer-Aktien

Als Anfang dieses Jahres die Aktien der Emerging Markets und mit ihnen die Währungen in den Sturzflug übergingen, gab kaum noch ein Experte einen Pfifferling auf die Schwellenländer. Aber wie so oft kam es anders als man denkt: Seit Februar sind die Aktien der Schwellenländer stark gestiegen. Und manches deutet darauf hin, dass dies erst der Beginn einer langen Aufwärtsbewegung ist.


Anleger, die auf der Suche nach Aktien mit attraktiver Bewertung sind, werden zurzeit vor allem in China und Co. fündig. Denn der relative Rückstand des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) des MSCI Emerging Markets-Index zum MSCI Weltindex, der die Aktien der Industrienationen enthält, war in den letzten 10 Jahren nie größer. Kein Wunder, hatten doch die Schwellenländer von 2011 an drei Jahre lang den Rückwärtsgang eingeschaltet, während Dow Jones, DAX und Co. von einem Rekord zum nächsten gejagt sind.

Das hat zu einer niedrigen Bewertung der Schwellenländer und einer hohen der Industrieländer geführt. Diese Bewertungsdifferenz macht die Emerging Markets attraktiv, zumal auch die Konjunktur dort das Tal durchschritten hat, angetrieben durch eigene Reformen und den Wirtschaftsaufschwung in den USA.

Die Aktienmärkte der Schwellenländer haben aber nicht nur bei der Bewertung Aufholpotenzial, sondern auch in der Position im Börsenzyklus. Während es in den Industrieländern seit über fünf Jahren stark nach oben geht und die Hausse damit schon im sechsten Jahr und damit recht betagt ist, stehen die Emerging Markets erst am Anfang einer Hausse, die auch bei ihnen üblichwerweise mehrere Jahre anhält. Wer jetzt in Schwellenländer-Aktien einsteigt, erwischt also einen frühen Zeitpunkt, wer das bei Industrieländern tut, doch schon eine recht späten - auch wenn die Märkte in Amerika, Europa und Japan dank der Geldpolitik noch eine Weile laufen dürften.

Diese Konstellation hat dazu geführt, dass die Kapitalströme einen Richtungswechsel vollzogen haben: Gab es bis Frühjahr 2014 noch massive Abflüsse aus Emerging-Markets-Fonds und ETFs, so hat sich das Blatt gewendet, Inzwischen strömt wieder viel Geld in Richtung aufstrebende Märkte. Das hat nicht nur bei deren Aktien eine Wende eingeleitet, sondern auch bei den meisten Währungen, so dass Anleger sowohl mit Aktien- als auch mit Währungsgewinnen rechnen können.

Trotz des um sich greifenden Optimismus sollten Anleger aber nicht Hals über Kopf in Schwellenänder-ETFs , Fonds oder Aktien investieren, sondern dies nach und nach tun, da die Kurse kurzfristig etwas überhitzt wirken.

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