Montag, 8. September 2014

Schottlands Referendum beunruhigt die Märkte

Kinder haben eine Taktik, wenn sie etwas Unangenehmes vermeiden wollen: Einfach die Augen zu machen, zur Not auch noch die Ohren zuhalten. Und hoffen, dass die Sache von selber vorbei geht. So ähnlich hat sich die britische Regierung bisher in Sachen Volksabstimmung der Schotten über ihre Unabhängigkeit verhalten. Vielleicht war das die falsche Taktik.

Das britische Pfund geriet ordentlich unter Druck, als nun die erste Umfrage signalisierte, dass die Schotten ihr Unabhängigkeitsreferendum tatsächlich annehmen könnten. Denn auch die Finanzmärkte haben diese Möglichkeit bisher weitgehend ignoriert.

Dabei sind insbesondere alle finanziellen Fragen ungeklärt: Allen voran: Welche Währung hätte ein unabhängiges Schottland? Die Schotten selber wollen gerne das Pfund behalten, London sagt dazu nein. Ungewiss ist auch, was mit den zwei großen schottischen Banken geschieht, der Royal Bank of Scotland (RBS) und der Bank of Scotland. Und wie die Staatsschulden Großbritanniens aufgeteilt werden würden.

Klar ist: Vor allem für Schottland würde es wirtschaftlich schwierig. Das neue unabhängige Schottland wäre zunächst kein Mitglied der EU und müsste hohe Kosten zum Beispiel für eine eigene Währung verkraften.

Trotzdem ist es nicht ausgeschlossen, dass die Bürger sich dennoch für ein eigenes Land entscheiden. Die direkten Auswirkungen für den Rest von Europa wären vermutlich überschaubar. Immerhin hat Schottland gerade mal acht Prozent der Wirtschaftsleistung in Großbritannien. Doch am wichtigen Finanzplatz London dürfte es zu einigen Verwerfungen kommen. Dann wäre es höchste Zeit für Großbritannien, die Augen zu öffnen und die Hände von den Ohren zu nehmen - und die Finanzmärkte mit klaren Plänen zu beruhigen.

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