Dienstag, 14. Oktober 2014

Das Dividenden- Beispiel von GEA sollte Schule machen

Als das Management des Anlagenbauers GEA gestern verkündete, in Zukunft einen größeren Anteil des Gewinns an die Aktionäre auszuschütten, kannte die Aktie kein Halten mehr. Zeitweise schoss der Kurs um 7 % in Höhe, am Schluß blieben immerhin noch gut 4 % übrig. Das zeigt, dass Aktiengesellschaften in dieser Nullzinszeit die Anleger mit höheren Dividendenrenditen hinterm Ofen vorlocken können.

Bisher war der Maschinenbauer, der vorwiegend Anlagen und Systeme für die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie herstellt,  nicht gerade als Dividendenkrösus bekannt. Auf gerade einmal 2 % beläuft sich die aktuelle Ausschüttungsrendite. Jetzt will die GEA Group, wie die frühere mg technologies korrekt heißt, aber die Anleger stärker verwöhnen. Statt zuletzt rund ein Drittel des Gewinns will der Vorstand um Jürg Oleas künftig 40 bis 50 % ausschütten.

Da GEA einer der führenden Maschinen- und Systemlieferanten auf dem Zukunftsmarkt Nahrungsmittelherstellung ist, sieht das Management ein stattliches organisches Wachstum voraus, das durch Zukäufe noch gesteigert werden soll. Gleichzeitig soll mit einem Konzernumbau die ohnehin gute Profitabilität weiter gesteigert werden. Wenn die Pläne des Vorstand einigermaßen aufgehen, lässt sich leicht ausrechnen, dass GEA das nochmals gelingen wird, was das Unternehmen bereits geschafft hat: Eine Verdoppelung der Dividende innerhalb von fünf Jahren auf dann 1,20 Euro je Aktie.

Für andere Aktiengesellschaften könnte das Beispiel GEA eine Blaupause sein: Im Durchschnitt schütten die deutschen AGs bisher knapp 40 % ihrer Gewinne aus. Eine Steigerung auf rund die Hälfte ist angesichts des Finanzreserven und der gesunden Bilanzstruktur, die sich die meisten Unternehmen in den letzten Jahren zugelegt haben, durchaus verkraftbar. Da die deutschen Anleger bekanntlich nur über die Rendite zu locken sind und bei Zinsanlagen für ein Zehntel mehr sogar von heute auf morgen ihre Bankverbindung wechseln, wäre eine Anhebung der Ausschüttungsquote und damit der Dividendenrenditen vermutlich das probateste Mittel, um die risikoscheuen Sparer zum Einstieg in Aktien und Aktienprodukte zu bewegen.

Dabei ist die durchschnittliche Dividendenrendite nach dem Kurssturz bereits jetzt beachtlich: Beim DAX sind es mehr als 3 %, beim MDAX, wo GEA zu Hause ist, immerhin knapp 3 %. Im Vergleich zu den 0,85 % für zehnjährige Bundesanleihen oder gar den 0,4 % für Tages- und Festgeld sind das Welten. Wenn die Unternehmen diesen historisch einmaligen Vorsprung von Dividenden- zu Zinsanlagen mit einer großzügigeren Ausschüttungspolitik ausbauen und offensiv kommunizieren, könnte das ein Umdenken einleiten und die dringend nötige Einbindung der Aktie in den Sparvorgang der Bundesbürger befeuern.

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