Dienstag, 7. Oktober 2014

Je mehr Drogen, desto besser die Konjunkturlaune

Die jüngsten Konjunkturdaten aus Deutschland und der Eurozone waren extrem schwach. Dagegen brummt in den USA und in Großbritannien die Wirtschaft - und in Japan erholt sie sich immerhin leicht trotz einer massiven Mehrwertsteueranhebung. Dieses Bild deckt sich ziemlich genau mit dem Tempo, in dem die Notenbanken dieser Länder ihre Bilanzsumme erhöht haben. Salopp gesagt: Je mehr Liquiditäts-Drogen die Staaten eingeworfen haben, desto besser läuft ihre Konjunktur. Über die Spätfolgen ihrer Drogenabhängigkeit machen sich die Politiker erstaunlich wenig Gedanken.

Wenn man sich die Notenbank-Bilanzen anschaut, wird schnell klar, woher die gravierenden Wachstumsunterschiede der Industrienationen seit der Finanzkrise vor allem herrühren: von der unterschiedlichen Entwicklung der Zentralbankbilanzen. Die USA haben am konsequentesten von allen sofort eine Nullzinspolitik betrieben und anschließend die Liquidität enorm ausgeweitet. In den letzten fünf Jahren hat die Fed mit ihren Anleihekäufen die Bilanzsumme glatt auf 4,5 Billionen Dollar verdreifacht, seit dem Ausbruch der Finanzkrise sogar verfünffacht. Die Bank of England hat ihr Bilanzvolumen seit 2009 etwa um den Faktor 2,5 gesteigert und die Bank of Japan sogar um den Faktor sechs.

Und die EZB? Ihre Bilanzsumme liegt mit knapp zwei Billionen Euro in etwa auf dem Niveau vom Herbst 2009 und sogar deutlich niedriger als während der Staatschuldenkrise 2012, als das Volumen auf 3,1 Billionen Euro emporgetrieben worden war. Nun will EZB-Chef Mario Draghi zwar die Bilanzsumme mit Offenmarktgeschäften und den umstrittenen ABS-Käufen wieder auf drei Billionen hieven - aber im Vergleich zu den anderen großen Notenbanken wäre das immer noch sehr vorsichtig. Trotzdem hoffen viele Experten, dass dies die Euro-Konjunktur entscheidend anschieben könnte.

Die Lehren aus der Konjunkturentwickung scheinen also eindeutig zu sein: Nur wer in den vergangenen Jahren mit der Liquiditätsausweitung geklotzt hat, konnte die Wirtschaftsschwäche und die drohende Rezession überwinden. Dass die beispiellose Verbreiterung der Geldbasis vor allem in den USA die Notenbank zum allmächtigen Staats- und Hypothekenfinanzierer gemacht hat, wird angesichts der kurzfristig in der Tat erstaunlichen Konjunkturerfolge gern unter den Teppich gekehrt.

Und über die langfristigen Folgen und Nebenwirkungen auf die Wirtschaftsstruktur und insbesondere auf die Inflationsentwicklung machen sich zu wenige Politiker Gedanken. Die Nagelprobe wird kommen, wenn den Staaten die Liquiditätsdroge entzogen wird. Irgendwann muss das passieren. Nur wann und wie weiss noch niemand so recht. Und erst nicht, wie die Volkswirtschaften darauf reagieren werden.

Mehr Beiträge vom finanzjournalisten blog



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen