Donnerstag, 20. November 2014

Großinvestoren surfen die Yahoo-Welle

Schon zweimal fuhr ich in den vergangenen Wochen hinter einem ramponierten Yahoo-Bus älteren Modells her, die Stoßstange schief und verbeult und ertappe mich beim Gedanken "passt zur Firma". Oder gehört das zum Understatement? Investoren wie George Soros scheren sich nicht darum, und die Analysten haben gute Gründe, die Aktie eher bei 60 Dollar zu sehen als bei aktuell gut 50 Dollar.

Mit dem Börsengang von Alibaba rückte der Internetkonzern aufgrund der Beteiligung am chinesischen Internetriesen wieder in den Mittelpunkt. Aufmerksamkeit brachte auch der Einstieg von Investoren wie George Soros und Starboard Value, sie haben Yahoo-Aktien in größerem Stil gekauft. Um Synergien freizusetzen fordert die aktivistische Investorengruppe Starboard Value den Zusammenschluß von Yahoo und AOL. Das wäre durchaus sinnvoll.

Pfiffig ist aber auch der jüngste Coup, der wieder für Schlagzeilen sorgt: Yahoo-Chefin Marissa Meyer gelang ein großer Deal mit Firefox. Auf den amerikanischen Browsern wird künftig Yahoo voreingestellt, der Nutzer kann zwar wie bisher wieder auf Google umstellen, doch damit rückt Yahoo zweifellos auf in der Nutzung der Suchmaschinen.

Firefox hat bei Browsern einen Marktanteil von gut zehn Prozent in den USA, größter Anbieter ist Google Chrome mit rund 33 Prozent. Yahoo selbst hat im Markt für Suchmaschinen in den USA etwa zehn Prozent Marktanteil, so die Nachrichtenagentur Reuters, die sich auf die Researchdaten von comScore bezieht. Microsoft kommt auf 20 Prozent und Google belegt mit 67 Prozent unangefochten den obersten Rang.

Die Zahlen belegen, dass es nicht leicht sein wird für Yahoo, dem Platzhirschen Google Marktanteile abzujagen. Doch wer langsam Gas gibt, kommt auch ans Ziel, auch wenn das Gefährt nicht ganz so schick ist wie bei der Konkurrenz. Marktführer Google chauffiert seine Mitarbeiter mit modernen schwarzen  Bussen, kurz G-Bus, ins Büro. Man sieht sie häufig, aber wohl selten verbeult. Großinvestoren wie Soros oder Starboard Value ist das ohnehin egal, Hauptsache sie kommen zum Ziel. Und das dürfte wie bei vielen Analysten lauten: 60 Dollar und mehr.

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