Montag, 3. November 2014

Schattenbanken sind nicht kleiner, sondern anders als gedacht

Einmal im Jahr veröffentlicht das Financial Stability Board (FSB) seinen Bericht über Schattenbanken, und diesmal hatte es ein gewaltige Überraschung im Gepäck: Das Volumen der Kreditvergabe von Schattenbanken wurde mal eben um 27 Billionen Dollar nach unten korrigiert. Ist der Sektor also kleiner als gedacht?

Keine 62, sondern "nur" 35 Billionen US-Dollar Kredite vergeben Schattenbanken, so das FSB in seinem jüngsten Bericht. Das klingt erst einmal gut und verleitet viele Medien zu Schlagzeilen wie "Gefährliche Schattenbanken kleiner als gedacht".  Löst sich das Problem also von selbst?

Die Antwort ist nein. Denn erstens sind 35 Billionen Dollar, die ohne jede Aufsicht oder Mechanismen, wie Bankenrettungsschirme oder Einlagensicherung, vergeben werden immer noch eine gigantische Summe. Sie entspricht in etwa der Hälfte des jährlich weltweiten BIP und ist mehr als ausreichend, um die Wirtschaft ins Chaos zu stürzen, sollte es in dem Sektor zu einer Kettenreaktion von Zusammenbrüchen kommen.

Zweitens zeigt ein genauerer Blick in die Studie, dass die wundersame Schrumpfung lediglich ein Fortschritt in der statistischen Erhebungsmethode des FSB ist. Weil die Schattenbanken nicht registriert und damit statistisch auch schwer zu erfassen sind, ermittelt der FSB seine Zahlen, vereinfacht gesagt, mit dem Abgleich internationaler Daten beziehungsweise mit den Summen, die fehlen. Nun ist es gelungen, diejenigen Schattenbanken herauszurechnen, die zu Banken gehören und damit eben doch einer gewissen Aufsicht und Regulierung unterstehen.

Das Problem Schattenbanken ist damit keineswegs auf dem Rückzug. Im Gegenteil: Nach der alten Methode berechnet, wuchs der Sektor 2013 um sieben Prozent. Das Volumen aller Transaktionen betrug 2013 satte 75 Billionen US Dollar. Und ein weiterer genauer Blick in die Studie verrät: Das ist eine sehr konservative Schätzung. Denn aus statistischen Gründen sind alle Hedgefonds, die in Steueroasen residieren, nicht erfasst. Man darf wohl vermuten, dass das eine erhebliche Zahl ist.

Mehr Beiträge vom finanzjournalisten blog

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen