Dienstag, 16. Dezember 2014

Wird die Tesla-Aktie zum Ölpreisopfer?

Viele Anleger, aber auch so mancher Analyst, sah die Tesla-Aktie als interessanteste Aktie für die nächsten zehn Jahre an. Mit dem Ölpreisverfall ist die Euphorie um den amerikanischen Elektroauto-Pionier jedoch Ernüchterung gewichen. Der Börsenkurs ist tief gefallen. Ob zurecht oder zu Unrecht - darüber streiten sich die Experten.

Um rund ein Viertel ist die Tesla-Aktie seit September eingebrochen, nachdem sie zuvor noch ein neues Allzeithoch von umgerechnet 224 Euro erklommen hatte. Es ist nicht erstaunlich, dass der Beginn des Kursverfalls genau zu dem Zeitpunkt erfolgte, als der Preis für Rohöl die 100-Dollar-Marke nach unten durchbrach. Seither ist Benzin in den USA extrem billig, die Gallone kostet nur noch 2,50 Dollar gegenüber 4 Dollar im Sommer. Autoanalysten wissen, dass die Amerikaner auf Benzinpreisschwankungen ziemlich rasch reagieren und ihr Kaufverhalten ändern. Nach einem Preisrückgang um mehr als ein Drittel innerhalb weniger Monate zieht denn auch die Nachfrage nach Spritfressern wie den SUVs kräftig an.

Das günstige Benzin schmälert gleichzeitig die Attraktivität von Kleinwagen - und natürlich auch von Autos mit Elektromotor. Denn die relativen Kosten der Tesla-Modelle - Anschaffungspreis plus Betriebskosten - haben sich deutlich zu Ungunsten des Elektroantriebs verändert. Schon machen Gerüchte die Runde, dass Tesla teilweise auf Halde produziert. Das Unternehmen widerspricht zwar - aber das konnte den Kursrutsch nur kurz aufhalten.

Immer mehr Analysten erwarten jetzt, dass die Notierungen noch viel Luft nach unten haben, falls der Ölpreis nicht bald kräftig nach oben dreht. Aber danach sieht es derzeit nicht aus. Auch die Charttechniker sind pessimistisch, nachdem die Aktie wichtige Unterstützungen durchbrochen hat. Auf der anderen Seite verweisen die Optimisten darauf, dass die Tesla-Modelle zum Luxussegment gehören und damit weniger anfällig auf Benzinpreisschwankungen reagieren als die Märkte momentan annehmen. Den Käufern komme es mehr auf die Umweltverträglichkeit und das Statussymbol an. Deshalb müsse man bei Tesla nicht in den üblichen Schablonen sondern langfristig denken - und das jetzigen Kursniveau als attraktive Einstiegschance betrachten.

Der Glaubenskrieg um Tesla, der schon seit langem tobt, verschärft sich damit. Möglicherweise bekommen ja aber beide Seiten Recht: Kurzfristig die Pessimisten, weil der gefallene Ölpreis den Kaufanreiz für Elektroautos verringert und den Kurs weiter drückt (vor allem dann, falls Tesla wirklich schwächere Verkäufe melden muss), langfristig die Optimisten, weil Tesla Qualitätsführer in einem zukunftsträchtigen Bereich ist - und der Ölpreis auch wieder steigen wird.

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