Donnerstag, 11. Dezember 2014

Wovor Experten bei Hochzinsanleihen jetzt warnen

Der ETF-Markt boomt - und der Boom wird weitergehen. Doch nicht in allen Segmenten machen ETFs Sinn - davon ist ETF-Analyst Samuel Lee von Morningstar überzeugt. Bei Hochzinsanleihen zum Beispiel rät selbst der ETF-Experte eher zu aktiv gemanagten Fonds als zu passiven Investments.

Denn der Markt für Hochzinsanleihen ist extrem illiquide. Zwar weisen einige Indizes auf den ersten Blick oft eine gute Performance auf. Doch die schönen Zahlen nützen gar nichts, wenn einzelne Emissionen illiquide sind und der Index daher nicht investierbar ist, weshalb ein Investment nicht möglich ist. Im Extremfall kann der Besitzer seine Papiere nicht veräußern, weil sich kein Käufer findet. Hinzu kommt das Ausfallrisiko von Hochzinsanleihen. Morningstar-Analyst Lee weiß: "Wenn Sie über die letzten Jahrzehnte auf einen Mix aus Aktien und Staatsanleihen gesetzt und auf Ramschanleihen verzichtet hätten, wäre Ihre risiko-adjustierte Rendite besser gewesen als unter Einschluss von Junk Bonds."
 
Eine weitere Gefahr: Die Risiken von Zahlungsausfällen bei Hochzinsanleihen sind zuletzt im Energiesektor deutlich angestiegen, so die Analysen von S&P Capital IQ. Denn die Förderung von Schiefergas und -öl wurde weitgehend über hochverzinsliche Anleihen finanziert, aufgrund des Ölpreisverfalls wächst jedoch das Ausfallrisiko dieser Papiere.

Dennoch sind Hochzinsanleihen bei Anlegern populär: So stecken zum Beispiel allein in Unternehmensanleihen-ETFs 145 Milliarden Dollar, ein Drittel davon entfällt auf hochverzinsliche Papiere, wie der neueste ETP-Researchbericht von BlackRock zeigt. Insgesamt ist rund ein Drittel des in Anleihen-ETFs (Gesamtvolumen per Ende November 2014: 430 Milliarden Dollar) angelegten Kapitals in Unternehmensanleihen-ETFs investiert.

Da die Renditen hochverzinslicher Anleihen derzeit im Vergleich zum Risiko niedrig sind, lohnen sie ebenso wenig wie viele Unternehmensanleihen. Mutige Investoren sind mit Aktien besser bedient  - und die Höhe der Dividendenaussschüttungen toppt so manche Unternehmensanleihe. 

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