Dienstag, 13. Januar 2015

Wer Bundesanleihen kauft, sollte eine Spendenbescheinigung verlangen

Wie schlimm der Anlagenotstand geworden ist, lässt sich am besten daran ablesen, dass die Renditen von Bundesanleihen mit Laufzeiten bis hinauf zu fünf Jahren negativ geworden sind. Kursverluste sind also beim Kauf vorprogrammiert, wenn die Papiere bis zur Fälligkeit gehalten werden. Da wäre es doch recht und billig, wenn Finanzminister Schäuble eine Spendenbescheinigung für diese automatischen Verluste herausrücken würde. Denn wer Bundesanleihen kauft, spendet zwangsläufig an Vater Staat. Und das ist ja nun wirklich eine gemeinnützige Tat.


Zuerst waren es nur die ganz kurzen Laufzeiten von wenigen Monaten, bei denen die Renditen ins Minus gerutscht waren, aber in den vergangenen Monaten kamen nach und nach zuerst die Laufzeiten bis zu 2 Jahren und dann auch die so genannten mittleren Laufzeiten hinzu. Wer jetzt die 3,75prozentige Bundesanleihe mit Endfälligkeit Januar 2019 kauft, muss 115,2 % bezahlen, also pro 1000 Euro Nominalwert 1152 Euro. Zurück bekommt er nach vier Jahren aber nur 1000 Euro. Das ergibt eine Negativrendite von 0,08 % pro Jahr. Bei drei Jahren Laufzeiten beträgt das Minus sogar 0,10 %, bei zwei Jahren 0.11 % und bei einem Jahr 0,12.

Falls, was zu erwarten ist, die EZB bald mit ihren Staatsanleihenkäufen startet, werden die Renditen vermutlich noch ein Stück weiter ins Minus rutschen. Zumal wegen des ausgeglichenen Bundeshaushalts das Volumen der Bundesanleihen vorerst nicht mehr zunimmt, also Knappheit herrscht. Schäuble profitiert dann von jeder Anleihe mit fünf und weniger Jahren Laufzeit, die er emittiert, noch stärker, weil er weniger zurückzahlen muss, als er sich ausleiht. Anleger müssen also wohl oder übel "spenden", wenn sie Bundesanleihen im Depot haben wollen.

Da dieser Zustand mit Negativzinsen noch eine Weile anhalten dürfte, wäre es nur logisch, wenn die Anleger, insbesondere die institutionellen, im Rahmen der engen gesetzlichen Vorschriften, wenigstens einen Teil der Gelder aus Anleihen in Aktien umschichten würden. Denn nur so haben sie eine Chance, in den kommenden Jahren positive Renditen zu erwirtschaften. Und diese Umschichtungen dürften den Börsenaufschwung immer wieder neu befeuern, weil er für einen ständigen Liquiditätszufluss sorgt.

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