Donnerstag, 5. Februar 2015

Silicon Valley: Keine Bubble, aber Sorgen

4800 Quadratkilometer, drei Millionen Menschen, 1,4 Millionen Jobs und ein Durchschnittseinkommen von 116033 Dollar – die Kurzfassung über das Silicon Valley und San Francisco. Detaillierte Zahlen über die Boomregion, das Herzstück der US-Wirtschaft, gibt es im neuen Report ‚Silicon Valley Indicators‘. Von einer Bubble ist da keine Rede. 
Wirtschaft, Bevölkerung, Migration, Bildung, ect. – der Report zeigt die Sonnen- wie Schattenseiten der Region. Die Wirtschaft boomt, die Beschäftigung wächst um 4,1 Prozent, die höchste Rate seit 2000. Großer Schwachpunkt ist die Infrastruktur, Transportmöglichkeiten und Immobilienangebot hinken dem Bedarf hinterher. Oder wie es im Bericht heißt, der Erfolg des Silicon Valley macht die Gegend weniger günstig.

Dabei liegt die Wertschöpfung pro Arbeitnehmer mit rund 160.000 Dollar rund ein Drittel weit über dem US-Durchschnitt. Allerdings muss man an der Stelle anfügen: noch, denn der Abstand verkleinert sich seit etwa zwei Jahren. Ein Grund ist sicherlich, dass sich die Wirtschaft im Rest des Landes erholt, ein anderer aber: die Zahlen sinken. Vor drei Jahren wurde mit rund 170.000 Dollar das Top erreicht, seitdem geht es leicht bergab.

Besonders auffällig: Die Amerikaner wandern ab, mehr als 7000 US-Bürger haben die Region im vergangenen Jahr verlassen. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass es für viele Arbeitnehmer aufgrund der gestiegenen Immobilienpreise zunehmend schwieriger wird, direkt im Valley zu leben. Sie ziehen weiter weg oder nehmen längere Fahrtstrecken in Kauf oder verlassen die Region ganz. Was die Immobilienpreise betrifft, zeigt der Report zwar, dass die Rekordmarken vor der Immobilienkrise noch nicht erreicht wurden, doch in den besseren Wohngegenden sind die Preise längst über das Niveau vor der Finanzkrise hinausgeschossen.

Unter dem Strich wächst die Bevölkerung jedoch: Mehr als 17000 Menschen sind aus dem Ausland zugewandert, um ihr Glück in der Hightechregion zu versuchen. Seit Beginn des Jahrtausends waren es sogar insgesamt mehr als eine Viertel Millionen. Das Valley ist also nicht nur Hightechzentrum, sondern auch ein Schmelztigel der Kulturen: Rund 36 Prozent der Bevölkerung in der Region sind im Ausland geboren (Gesamt USA: 13,1 %), der Großteil davon kommt aus Asien, sprich China (15%), Indien (11%), Philippinen (11%), Vietnam (11%), andere Asiaten (12%). 21 Prozent der Ausländer stammen aus Mexiko und lediglich acht Prozent aus Europa.

Jobs locken und nach wie vor fließt viel Geld in die Region. Venture Capital Investments erreichten mit 14,5 Milliarden in den ersten drei Quartalen einen neuen Rekord, mehr als 55 Prozent des Geldes landete bei Softwareunternehmen. Die Gelder waren jedoch auf eine Reihe großer Deals verteilt, so erhielt allein bei Uber 1,2 Milliarden Dollar und Firmen wie Dropbox oder Lyft sammelten mit 325 beziehungsweise 250 Millionen ebenfalls hohe Summen ein.

Kein Wunder, wenn in Anbetracht dieser Summen – vor allem außerhalb des Silicon Valley – schnell von einer Bubble die Rede ist. Russell Hancock, Präsident und Vorstand von Joint Venture Silicon Valley sowie Mitherausgeber der Studie, meint hingegen, er sehe keine Art von Bubble. Das sei nicht wie 2000. Hancock verweist auf das graduelle Wachstum der Investments, die expandierende Wirtschaft in der Region, steigende Beschäftigungszahlen sowie die Diversifikation, die auch Big Data oder Clean Tech Investments einschließen, und für einen solideren Markt sorgen würden.

Erfahrende Börsianer wissen, dass dies zwar im Falle einer Korrektur den Rückschlag zwar abfedern kann, aber nicht gänzlich davor schützt. Momentan sind die Risiken jedoch begrenzt, zumal auch die US-Wirtschaft keine Anzeichen einer Überhitzung zeigt, sondern erst am Anfang einer Erholung steht. Das erhöht die Chancen, dass sich der Boom im Silicon Valley fortsetzt.


 

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