Freitag, 20. März 2015

Apple und Tesla: Wovor sich VW, BMW, Daimler & Co fürchten müssen

Die Gerüchte, dass Apple ein eigenes Fahrzeug entwickelt, verdichten sich zunehmend. Auf den ersten Blick scheint ein Einstieg von Apple ins Automobilgeschäft abwegig, doch Apple - und auch Tesla - dürften den großen Automobilherstellern, insbesondere jenen im gehobenen Preissegment, das Fürchten lehren.

Bekannt ist, dass Apple für das Projekt "Titan" Mitarbeiter von Tesla abgeworben hat. Angeblich, so die jüngsten Gerüchte, soll das Projekt hinter verschlossenen Türen in einer Werkstatt in Sunnyvale, nahe Apples Hauptquartier, umgesetzt werden. Offiziell äußert sich Apple zu neuen Entwicklungen nicht. Gut möglich, dass Apple "nur" an der Elektronik für Fahrzeuge arbeitet, darin steckt enormes Potenzial. In selbstgesteuerten Fahrzeugen, die derzeit erprobt werden, hat der Fahrer nun mal Zeit, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen als das Lenkrad zu steuern, sprich es bleibt Zeit für Mails, News, ect. Und da das Auto der Zukunft eher ein Touchscreen als eine Gangschaltung oder ein Gaspedal hat, ist für Apple der Einstieg ins Automobilgeschäft ein absolutes Muss. Doch das dürfte Apple nicht ausreichen.

Warum also nicht gleich ein eigenes Fahrzeug? Geld ist für Apple kein Thema, die Kasse ist prall gefüllt, Zeit schon eher. Denn die Konkurrenz schläft nicht, alle großen Autohersteller arbeiten an selbstgesteuerter Fahrzeugtechnik und für die Entwicklung eines Fahrzeugs bis zum Einsatz auf den Straßen werden fünf bis sieben Jahre veranschlagt. Auch Google testet seit längerem "self driving" cars, im Silicon Valley sind sie regelmäßig auf den Straßen unterwegs. Von der Optik entsprechen die Google-Fahrzeuge jedoch keineswegs dem stylischen Ansatz von Apple oder Tesla. 

Der enorme Zeitdruck ist vermutlich der Hauptgrund für die Gespräche zwischen dem Aquisitionschef von Apple und Tesla-Chef Elon Musk. In einem Interview mit Bloomberg-Moderatorin Betty Liu mit Mitte Februar wollte Musk einen möglichen Einstieg von Apple nicht kommentieren, hatte das aber auch nicht strikt abgelehnt. Und als Aktionäre auf der Apple-Hauptversammlung einen Einstieg bei Tesla forderten, antwortete Apple-Chef Tim Cook ausweichend. Ganz abwegig wäre eine Fusion nicht, von der Philosophie passen beide Marken gut zueinander. Viel wahrscheinlicher aber als eine komplette Übernahme von Tesla durch Apple erscheint eine Kooperation in der Produktion und eventuell der Erwerb eines Aktienpakets.

Doch wie auch immer die Entscheidungen fallen, die großen deutschen Automobilkonzerne, insbesondere die Hersteller von Luxusfahrzeugen wie Porsche, BMW & Co müssen achtsam sein, dass sie von angesagten Produzenten wie Tesla - und möglicherweise in einigen Jahren auch Apple - nicht in eine langsamere Spur abgedrängt werden. Im oberen Preissegment ist Tesla längst ein harter Konkurrent, den einige Hersteller von Luxusfahrzeugen in Regionen wie dem Silicon Valley bereits heute in den Absatzzahlen spüren.


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