Montag, 16. März 2015

Grexit, Grexident oder doch weiter so – dem Dax ist es egal

12 000 Punkte. Der Dax übersprang auch diese Marke ohne große Mühe. Dabei spitzt sich die Situation in Griechenland weiter zu. Und keiner weiß genau, worauf es hinausläuft.

Eigentlich können Börsen vor allem eines nicht leiden: Unsicherheit. Doch dem Dax war es heute egal. Er feiert immer noch die Geldschwemme durch die Anleihenkäufe der EZB und auch für Ausländer ist der deutsche Aktienmarkt mit dem schwachen Euro erheblich günstiger und damit attraktiver geworden.

Dabei geht es derzeit um einiges in Sachen Griechenland: Keiner außerhalb des Landes und vielleicht nicht einmal die griechische Regierung selber weiß, wie eng es um die Finanzen genau steht. Heute zumindest hat Griechenland noch einmal fällige Zahlungen in Höhe von 588 Millionen Euro an den IWF überweisen.

Noch in diesem Monat wird eine weitere Tranche fällig, zudem laufen kurzfristig Anleihen über 1,6 Milliarden Euro aus. Alle diskutieren also weiter über die möglichen Szenarien. Einen Austritt aus dem Euro – Grexit genannt – strebt die Regierung in Athen derzeit nicht an. Allerdings könnte es durch ein Pleite des Landes zu einem gezwungen unfreiwilligen Austritt – dem so genannten Grexident – kommen.

Das wäre für die Börsen und die Volkswirtschaft Europas wohl die schwierigste Möglichkeit. Denn die Konsequenzen für Griechenland, aber auch für das restliche Europa sind unabwägbar. Da sind zum einen die direkten Folgen wie die Tatsache, dass die anderen Länder, allen voran Deutschland Kredite in Milliardenhöhe abschreiben müssten. Schwieriger und gefährlicher aber ist, dass die Finanzmärkte wieder gegen verbleibende Mitglieder im Euro wetten würden – zum Beispiel Italien oder Frankreich.

Eine solche Eurokrise Reloaded wäre kaum in den Griff zu bekommen. Die Gefahr, dass die Gemeinschaftswährung ganz auseinanderbricht, wäre dann groß. In einem solchen Fall stünde Deutschland schnell in der Rezession. Im besten Fall wäre die Verteidigung des Euro ein sehr teure Angelegenheit.

Die Börsianer schert das wenig. Vielleicht schwebt die Gefahr schon zu lange über uns, als dass sie noch jemand ernst nimmt. Offensichtlich setzt die Börse auf ein weiter so. Denn auch die letzte und vielleicht sinnvollste Möglichkeit ist unwahrscheinlich: Eine geordnete Umschuldung Griechenlands - mit Schuldenerlass und Wachstumsprogramm.

Bleibt für Aktionäre also vor allem eine gute Nachricht: Die Situation wird noch lange sehr schwierig bleiben und daher bleibt die EZB erst einmal auf Ihrem Kurs. Und pumpt indirekt weiter Milliarden an die Börse, die von Rekord zu Rekord eilt.

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