Donnerstag, 7. Mai 2015

Anleihen: Ursachen für den Kursrutsch kennen und richtig handeln

Ein Jammer für Bill Gross: Der Bondkönig hat als erster lauthals propagiert, dass deutsche Staatsanleihen ein "short of a life time" seien, also eine Riesen-Chance, Leerverkäufe zu tätigen. Doch als er dies vor kurzem kundtat, setze er es nicht gleich in die Tat um. Denn noch kauft die Europäische Zentralbank Staatsanleihen auf - das sollte die Kurse vor einem Absturz sichern. Doch die Rechnung ging nicht auf.

Der von professionellen Investoren viel beachtete Bund-Future sackte seit Mitte April vom Jahreshoch von über 160 Basispunkten um knapp vier Prozent ab. Zehnjährige Anleihen brachen um rund vier Prozent ein, 30-jährige Anleihen verloren vom Top rund 14 Prozent.

Auch Rentenfondsmanager Bill Gross sah das nicht so schnell kommen, die Strategie "short of a life time" war eher auf eine Sicht von ein oder zwei Jahren gedacht. Doch weitere Fondsmanager stimmten ihm zu und schneller als gedacht setzte eine Verkaufswelle ein.

"Es ist wahrscheinlich, dass diese Entwicklung ihren Anfang nahm, als Positionen - in diesem Fall Gewinnmitnahmen - geschlossen wurden, die in Bezug zu Anlagestrategien im Zusammenhang mit dem Quantitative Easing standen", erklären Nicolas Chaput und Laurent Denize von  Oddo Asset Management. So hätten beispielswiese amerikanische Anleger ihre Käufe von europäischen Anleihen und ihre Sicherungsgeschäfte gegen den Rückgang des Euro glattgestellt.
 
"Kluge machen Kasse" rät Stephan Albrech, Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Albrech & Cie.  Er warnt Anleger: "Sie gehen davon aus, dass die Zinsen für deutsche Anleihen bis Ende 2016 gar nicht steigen können, und kaufen verstärkt Rentenfonds, um Kursgewinne zu erzielen. Begründung: Die Notenbank pumpt jeden Monat 60 Milliarden Euro in den Markt, davon allein 10 Milliarden in deutsche Titel. Diese Summe ist weit höher, als an deutschen Anleihen zum Verkauf steht – das drückt deren Zinsen und hebt die Kurse, so der Gedanke. In der Tat ging diese Rechnung bisher auf. Der Zins für zehnjährige deutsche Staatsanleihen brach jüngst bis auf 0,05 Prozent ein. Doch deswegen jetzt noch auf Rentenfonds zu setzen, wie es Anleger zunehmend tun, dürfte ins Fiasko führen. Der wohl wichtigste Grund: Die EZB will Staatsanleihen nur kaufen, wenn deren Rendite oberhalb ihres Einlagezinssatzes von minus 0,2 Prozent liegt." Mehr dazu auch im Finanzjournalisten-Blog vom 21. April: 'Draghis Gelddruckmaschine droht Gefahr'. 

Zu steigenden Zinsen und damit zu Kursverlusten mit Anleihen könnten aber auch eine bessere Konjunktur und etwas höhere Inflationserwartungen führen, meint Albrech. Unwahrscheinlich sei das nicht, da sich auch der ifo-Index im April überraschend positiv entwickelt habe. Sein Fazit lautet daher: "Kluge Anleger machen jetzt Kasse und sichern sich die – je nach Kaufzeitpunkt und Restlaufzeit – teils erheblichen Kursgewinne. Das frei gewordene Geld sollte dann in attraktivere Anlageklassen, etwa den Aktienmarkt, fließen. Im Depot bleiben nur jene Bundesanleihen, die man wegen des attraktiven Kupons bis zum Ende der Laufzeit hält oder mit denen man sich gegen Deflation und andere Krisen absichert. Ein Rat, den Anleger mittelfristig beherzigen sollten, wenn sie keine Verluste im Rentenportfolio oder mit Anleihenfonds erleiden wollen. Kurzfristig scheint jedoch nach dem Ausverkauf der größte Druck aus dem Markt entwichen.

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