Donnerstag, 21. Mai 2015

Bargeldabschaffung - Nur Bares ist Wahres

Nun auch Peter Bofinger: Der Wirtschaftsweise spricht sich für eine Abschaffung des Bargelds aus – er hält Münzen und Scheine heutzutage für „Anachronismus", sagte er dem SPIEGEL. Doch warum kocht diese Debatte ausgerechnet in einer Zeit hoch, wo Negativzinsen auch für Kleinanleger eine reale Gefahr zu drohen werden?

Was werden nicht für gewichtige Argumente ins Feld geführt, um speziell den Deutschen, die nach wie vor ein Volk von Barzahlern sind (siehe Bundesbank), Münzen und Scheine madig zu machen: Sie sind dreckig und verkeimt, leisten Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit und Drogenhandel Vorschub, können gefälscht werden und machen Handel und Banken viel Arbeit im Handling etc. pp., um mal die wichtigsten Argumente zu nennen. Die skandinavischen Ländern sind schon ziemlich weit gekommen, dem Cash adé zu sagen – dort werden auch Minibeträge mit Karten gezahlt. Die Deutschen dagegen sind und bleiben vorerst ein Volk von Barzahlern. Das belegen aktuelle Zahlen der Deutschen Bundesbank.

Doch dass die Debatte um die Cash-Abschaffung gerade jetzt hochkocht, hat wohl einen anderen Hintergrund: Die Geldpolitik der Notenbanken droht wirkungslos zu werden, wenn Zinsen und Inflation ins Negative drehen, die Bürger aber nicht so „einsichtig“ sind, ihr Geld auf Konten liegen zu lassen, wo es dann nach dem Willen der Notenbank mit Negativzinsen belegt und immer weniger wird. Denn bei negativen Zinsen werden es die Bürger bevorzugen, Cash zu Hause zu horten, anstatt zuzusehen, wie sie für die Lagerung bei Banken auch noch Geld mitbringen dürfen - die Notenbanken haben dann aber keinen "Durchgriff" mehr.

Die Bürger wissen nämlich intuitiv, dass es bei Negativzinsen eine der wichtigsten Funktionen des Geldes an den Kragen geht - der Wertaufbewahrungsfunktion. Bargeld ist also gerade in diesen Zeiten nicht etwas Anachronistisches, sondern etwas sehr Modernes!

Und noch etwas kommt hinzu, das viele Menschen, auch mich, umtreibt: Auch wenn ich nichts zu verbergen habe, will ich trotzdem nicht überall Datenspuren hinterlassen und das Risiko eingehen, dass alle meine Geldausgaben und Einkäufe analysiert werden – sei es von Großkonzernen oder womöglich von Geheimdiensten (auch wenn ich mich nicht im mindesten interessant genug dafür halte). Wo ist die Grenze dieser Überwachung? Wer von Ihnen das Buch „The Circle“ von Dave Eggers gelesen hat, weiß, was ich meine.

Hier noch ein paar interessante Links zum Thema – lesenswert insbesondere die Kolumne von Robert Halver und die Kolumne von Wolfgang Münchau

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Kommentare:

  1. Hat sich eigentlich der Bundesdatenschutzbeauftragter schon mal zu diesem Thema geäußert? Wäre vielleicht ein guter Interview-Partner, oder?

    Oh weh! Mit der Zurückdrängung oder gar Abschaffung des Bargeld stirbt wieder ein Stück (finanzielle) Freiheit!

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  2. Die Abschaffung wäre aber nicht so einfach, oder? Denn das Bargeld ist doch z.B. im Artikel 14 des Bundesbankgesetzes ein uneingeschränktes Zahlungsmittel ist. Entweder definiert man Bargeld dann anders, oder man muss dieses und eventuell andere gesetze ändern?

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  3. Wie hier schon erwähnt kann man Papiergeld billiger herstellen. Am besten Digitales Geld. Wertschöpfung aus den Nichts seit 200 Jahren.
    Warum noch Bargeld herstellen was wenigsten noch den Wert des Metalls besitzt. Sind die nur in der Lage Geld zu machen mit Vergabe von Geld aus Privatbesitzt?

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