Freitag, 8. Mai 2015

Freitagsfrage: Wer sind die besseren Geldanleger – Männer oder Frauen?

Männer zocken gerne, Frauen sind eher vorsichtig – Klischees wie diese über männliches und weibliches Geldanlageverhalten halten sich hartnäckig, haben aber auch ihre Berechtigung. Das bestätigt eine neue Untersuchung der DAB Bank. Dieses Mal haben die Männer bei der Performance die Nase vorne. Allerdings muss man genau hinsehen. Denn ausgewiesen wird nur die Performance vor Kosten.

Aktuell steht es im Geschlechterkampf 4:3 für die Männer, ein Jahr (2012) hieß es unentschieden – so die Ergebnisse aller sechs Untersuchungen über insgesamt acht Börsenjahre zusammengenommen, in denen die DAB Bank die Performance von Männer- und Frauendepots seit dem Jahr 2000 immer mal wieder untersucht hat. Das Rennen ist also eng – aber der Tendenz nach lässt sich demnach sagen, dass Frauen in schwierigen Börsenzeiten erfolgreicher waren, Männer dagegen in Bullenmärkten.

In den beiden vergangenen, insgesamt erfreulichen Börsenjahren hatten die Männer unter den Kunden der Bank renditemäßig die Nase vorn: Höhere Risikobereitschaft und häufigeres Trading zahlten sich für sie aus. Im steigenden Marktumfeld 2013 haben beide Geschlechter zweistellige Renditen erwirtschaftet. Die männlichen Anleger erzielten im Schnitt eine Performance von 15,5 % und hatten 2,2 Prozentpunkte Vorsprung auf die weiblichen Anleger mit 13,3 % Rendite. Auch im volatilen Marktumfeld 2014 behaupteten die Männer ihre Position. Mit 4,5 % Rendite lagen sie vor den Frauen, die 3,4 % erwirtschafteten. Der Abstand fiel also klar geringer aus.

Frauen führen  zwar 27 Prozent der Depots bei der DAB Bank, allerdings beträgt ihr Anteil an den gesamten Depotvolumina nur 19 Prozent. Im Klartext haben sie also weniger Geld angelegt als Männer. Kein Wunder, liegen doch auch die Verdienste von Frauen nach wie vor um gut ein Fünftel unter denen von Männern in Deutschland.

Nach wie vor gilt allerdings, dass die Geschlechter der Tendenz nach eine unterschiedliche Anlagephilosophie verfolgen. Das zeigte sich auch in dieser Studie wieder. Zwar setzten beide Geschlechter in den vergangenen zwei Jahren auf Aktien, Männer jedoch stärker als Frauen. Ende 2014 hatten sie 54,4 Prozent in Aktien investiert, Frauen 50,8%. Einzelaktien sind bekanntlich riskanter als Investmentfonds – so verwundert es nicht, dass Frauen hier häufiger zugreifen: 37,2 Prozent betrug der Fondsanteil in weiblichen Depots, in männlichen dagegen 33,1 Prozent. Beim Anleihenanteil lagen beide gleichauf bei 7,9 Prozent. Männer investierten außerdem 0,8 Prozent ihres Depotvolumens in riskante Optionsscheine – doppelt so viel wie Frauen. Diese wiederum hatten einen höheren Cash-Anteil als die Männer.

Auch bei der Handelsaktivität gibt es klare Unterschiede: Die Herren der Schöpfung waren deutlich aktiver und schichteten ihr Depot im Schnitt doppelt so häufig um: 8,5 Mal im Jahr 2014 (Frauen: 4,0 Male); 2013 lag der Wert bei 7,8 Transaktionen bei Männern (3,8 bei Frauen). An dieser Stelle zeigt sich eine klare Schwäche der Studie, denn sie berechnet die Performance der Depots vor Berücksichtigung der Transaktionskosten – entscheidend ist aber letzten Endes, was unter dem Strich bei einer Geldanlage herauskommt. Bei einer Netto-Betrachtung müssten die Damen daher deutlich zu den Herren aufschließen können.

Was zeigt sich nun aus dieser wie aus den vorangegangenen Studien?

- Frauen UND Männer können prinzipiell gute Geldanleger sein, wenn sie sich mit dem Thema beschäftigen und gezielt auch in vermeintlich riskantere Geldanlagen wie Aktien investieren.

- Frauen sind tendenziell vorsichtiger bei der Geldanlage und investieren eher in breiter streuende Anlagen etwa Investmentfonds. Was vielleicht auch daran liegt, dass sie weniger Geld zum Anlegen haben – und daher auch weniger Geld zu verlieren. Wenn sie sich einmal für eine Geldanlage entschieden haben, bleiben sie dabei und schichten weniger oft um.

- Gerade in schwachen Börsenzeiten fuhren die Frauen mit einer vorsichtigeren Strategie besonders gut, ihre Performance ist dann besser als die der Männer.

 - Interessant wäre daher eine zusammengefasste Betrachtung - unter Berücksichtigung der Transaktionskosten - über einen langen Zyklus etwa von 15 Jahren oder mehr, in dem es an den Börsen heftige Abstürze, aber auch starke Kursaufschwünge zu verzeichnen gab. Da die Damen-Depots im Crash deutlich stabiler waren, im Aufschwung allerdings auch gut vorankamen, würde es mich nicht wundern, wenn auf lange Sicht die Damen  die Nase vorn hätten. Denn bekanntlich muss ein Depot um 100 Prozent zulegen, wenn es zuvor 50 Prozent verloren hat, um wieder in die Gewinnzone zu gelangen.



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