Dienstag, 16. Juni 2015

Aktien - Keine Angst vor steigenden Zinsen

Neben Griechenland ist die Frage, wann die US-Notenbank damit anfängt, die Zinsen zu erhöhen, das dominierende Thema an den Aktienmärkten. Die Vergangenheit lehrt jedoch, dass die ersten Schritte von Währungshütern Aktien eher gut tun als ihnen schaden. Erst bei relativ hohen Geldkosten leiden Dividendenwerte in aller Regel.

Wenn morgen nach der Sitzung des Entscheidungsgremiums der US-Notenbank Fed-Chefin Janet Yellen ihr Statement abgibt, wird es an den Börsen vermutlich eine Zeitlang hoch her gehen. Die Anleger erwarten sich Aufschluss darüber, ob die Fed im September oder erst später mit ihren Zinsanhebungen starten wird. Dabei ist, wie diverse Untersuchungen belegen, die Wirkung auf die Aktienmärkte üblicherweise nur wenige Tage oder Wochen spürbar, bevor die Börsen zur Normalität übergehen. Und Normalität bedeutet in Zeiten einer Zinswende stets steigende Aktienkurse. Denn in einen fallenden Markt hinein würde die Fed die Geldkosten nur im Extremfall zu erhöhen anfangen.

Da steigende Leitzinsen gleichzeitig eine aufwärts gerichtete Konjunktur signalisieren, überkompensiert der Effekt steigender Unternehmensgewinne in der Regel den Bremseffekt von höheren Zinsen. Hinzu kommt ein zweiter Punkt: Leitzinssteigerungen schlagen sich normalerweise negativ auf die Anleihenmärkte nieder, die Renditen klettern und die Kurse fallen. Und dadurch verliert der ärgste Konkurrent von Aktien um die Gunst der Investoren an Attraktivität: die Anleihe. Einige Experten gehen deshalb davon aus, dass die viel zitierte Rotation aus Anleihen in Aktien nach der ersten Zinserhöhung erst richtig in Gang kommen wird.

Auch dazu gibt es Untersuchungen. Sie zeigen, dass in der ersten Phase steigender Anleihenrenditen Aktien tatsächlich überdurchschnittlich zulegen. Am besten schneiden Dividendenwerte demnach nicht bei so extrem tiefen Anleihenrenditen wie derzeit am besten ab, sondern bei Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen von drei bis vier Prozent. Und zu längerfristigen Verlusten kommt es im Durchschnitt erst, wenn die Bondzinsen die Hürde von sechs Prozent überspringen. Denn das signalisiert in der Regel ein hohes Maß an Inflation, das die Notenbank mit scharfen Maßnahmen bekämpfen wird.

Nun kann man natürlich einwenden, dass diesmal ganz bestimmt alles anders sein wird, weil es so einen langen Zinssenkungszyklus mit Nullzinsen und zusätzlich massivem Gelddrucken über Anleihekaufprogramme noch nie gegeben hat. Das mag stimmen, allerdings dürfte die Grundsystematik nach ersten Zinserhöhungen nicht generell außer Kraft gesetzt sein. Hinzu kommt, dass die Fed nach der größten Kraftanstrengung ihrer Geschichte eines ganz sicher nicht riskieren wird: Die Zinsen zu schnell und zu stark anzuheben und daurch ihre bisherigen Politik zu gefährden.

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1 Kommentar:

  1. Besten Dank für den Beitrag. Schön zu lesen das die eigene Recherche bestätigt wird.

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