Dienstag, 7. Juli 2015

Die Regierung braucht ein neues Konzept für die Altersvorsorge

In jüngster Zeit häufen sich die Forderungen, die staatlichen Zulagen für die Riester-Rente und die betriebliche Altersvorsorge anzuheben, um den stockenden Prozess der Vermögensbildung fürs Alter wieder zu beschleunigen. Denn sonst drohe in den nächsten Jahrzehnten eine immense Rentenlücke. Aber ist das wirklich der richtige Weg?

Zuletzt war es Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer, der an die Politik appellierte, Riester + Co. wieder attraktiver zu machen. Er verwies darauf, dass angesichts der niedrigen Zinsen für gleiche Sparziele höhere Beiträge nötig seien. Und da sei der Staat gefordert.

Aber ist es wirklich damit getan, die Riester-Förderung um ein paar Euro pro Jahr aufzustocken? Wäre es nicht vielmehr an der Zeit, in der privaten Altersvorsorge von Politikerseite nicht länger fast ausschließlich auf Riester zu setzen, sondern ein völlig neues Konzept aufzusetzen? Einen lahmen Gaul wie Riester machen auch ein paar Korrekturen nicht zum Rennpferd. Und das ist nötig, um den Rückstand in der Altersvorsorge der Deutschen zu verringern, der sich in den letzten Jahren aufgetan hat.

Seit etwa fünf Jahren stagniert die Zahl der Riester-Verträge weit unter den ursprünglichen Zielen, und wäre nicht das relativ neue und erfolgreiche Wohn-Riester eingeführt worden, gäbe es sogar einen Rückgang. Das ist auch kein Wunder, weil die Ergebnisse der meisten Verträge sehr schwach sind, vor allem bei den Podukten, die überwiegend auf Zinsanlagen setzen wie das Versicherungs- und das Bank-Riestern. Bei Zinsen nahe Null fressen die Kosten die Zinserträge fast völlig auf und die staatlichen Zulagen oft noch dazu. Denn Magerzinsen plus übertriebene Garantien lassen einfach keine akzeptablen Erträge zu. Und die sind nötig, damit die breite Mehrheit der Bevölkerung besser fürs Rentenalter vorbereitet ist als derzeit. Schließlich sinkt das Niveau der staatlichen Rente im Vergleich zum Einkommen weiter - und zusätzlich muss ein stetig wachsender Anteil davon versteuert werden.

Die Bundesregierung sollte deshalb endlich aufwachen und ihr gesamtes Konzept auf den Prüftstand stellen. Die Sparer sollten viel mehr Freiheiten bei der Auswahl ihrer Produkte bekommen, so wie das beispielsweise in den USA oder Frankreich der Fall ist, wo sie innerhalb eines bestimmten Rahmens anlegen können wie sie wollen - und dort bevorzugen viel mehr Menschen in der Altersvorsorge Aktien als bei uns. Und das ist in den Zeiten von Nullzinsen noch viel bitterer nötig als ohnehin. Langfristig lassen sich nun einmal nur mit Aktien und anderen Sachwerten Erträge erzielen, die deutlich über die Inflationsrate hinausreichen. Jetzt die Angst vor der Aktie zu nehmen, wäre deshalb eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Altersvorsorge-Politik, wenn sie nicht in ein paar Jahrzehnten ein Desaster erleben will.

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