Freitag, 10. Juli 2015

Freitagsfrage: Bringt der BRICS-Gipfel Kaufimpulse für Aktien?

Der Gipfel von fünf der größten Schwellenländer in Ufa hat die Weichen für eine stärkere wirtschaftliche und vor allem finanzielle Zusammenarbei der BRICS-Staaten gestellt. Werden diese Schritte die Aktien der beteiligten Staaten beflügeln?

Beschweren können sich Anleger, die auf Aktien der BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China gesetzt haben, nicht gerade. Trotz des erst seit gestern gestoppten Kursrutsches in China verzeichnet der DAXGlobal BRIC-Index seit Jahresbeginn ein Plus von immerhin 15 Prozent. Aber mit dem China-Crash ist die Angst gewachsen, dass die BRICS-Staaten insgesamt - zu den vier "Gründungsmitgliedern" stieß 2010 auch Südafrika dazu - schlechten Zeiten entgegen gehen. Denn außer in Indien gehen die Wachstumsraten derzeit zurück, in Russland, Brasilien und Südafrika sind sie sogar negativ.

Diesem Trend wollten die Staatschefs der fünf Staaten auf ihrem Gipfel im russischen Ufa entgegenwirken - und sie haben tatsächlich Ergebnisse erzielt, die der Wirtschaft mittel- und langfristig mehr Schwung verleihen könnte. Sie haben auf vielen Gebieten eine engere Wirtschafts- und Technologiekooperation vereinbart und - das hat am meisten für Aufmerksamkeit gesorgt - sie haben einen neuen Währungsfonds und eine Entwicklungsbank auf den Weg gebracht, die mit zusammen 200 Millarden Dollar Kapital ausgestattet sind. Damit reagiert die BRICS-Gruppe auf die Ablehung einer größeren Rolle der Schwellenländer bei IWF und Weltbank, die 2014 am Veto der USA gescheitert war. Die Fünf wollen die Vorherrschaft der USA in den Welt-Finanzpolitik begrenzen und langfristig auch eine Abkehr von der Dollar-Dominanz erreichen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Trotzdem zeugten die Ergebnisse von Ufa von einem wachsenden wirtschaftlichen Selbstbewusstsein der BRICS-Staaten, die zusammen mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung aufweisen. Und das könnte sich auch auf die Börsen der Fünf positiv niederschlagen. Und das, obwohl die Staaten höchst unterschiedlich aufgestellt sind. So sind Russland, Brasilien und Südafrika extrem rohstoffabhängig, während China und Indien von niedrigen Rohstoffpreisen profitieren. So unterschiedlich wie die Ausrichtung sehen auch die Börsenkennzahlen aus. Während Russland mit einem KGV von 6 und einer Dividendenrendite von 4 Prozent der an der Bewertung gemessen preiswerteste Aktienmarkt der Welt ist, zählt Chinas breiter Markt mit einem KGV von über 20 und einer Dividendenrendite von einem Prozent zu den teuersten.

Ob die Aktien der BRICS-Staaten kurzfristig ihren zuletzt unterbrochenen Aufschwung fortsetzen, hängt stark davon ab, ob es China gelingt, den Aktienmarkt zu stabilisieren. Wenn ja, dann dürfte Chinas Wachstum ab 2016 wieder anziehen und die anderen vier mitziehen. Denn mehr Wachstum in China bedeutet in der Regel höhere Rohstoffpreise, und aufgrund der enger werdenden Wirtschaftsbeziehungen dürfte es auch in den anderen Sektoren zusätzliche Wachstumsimpulse geben.

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