Dienstag, 28. Juli 2015

Fusionsfieber treibt Pharmaaktien weiter an

Bei den Pharmaunternehmen sitzen die Dollars und Euros zurzeit wieder locker. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht mindestens eine Fusion oder ein Übernahmeversuch bekannt wird. Den Anlegern kann das nur recht sein, denn Pharmaaktien zählten in den letzten Jahren zu den Börsenstars - und dürften es mittelfristig auch bleiben.

In der Gesundheitsbranche ist der Umbruch in vollem Gang. Die Branche stellt sich komplett neu auf, indem nicht nur ganze Unternehmen aufgekauft werden, sondern auch viele Einzelsparten die Besitzer wechseln. Denn angesichts des Sparzwangs im Gesundheitswesen vieler Länder und den hohen Forschungskosten ist Konzentration auf wenige Bereiche angesagt. Nur so lassen sich die Kosten-Erlös-Relationen auf Dauer im Griff halten, zumal seit Jahren viele Patente von Blockbuster-Medikamenten auslaufen und damit sichere Einnahmequellen nicht mehr so stark sprudeln. Auf der anderen Seite kostet die Forschung in Segmenten, die langfristig hohe Erträge versprechen, gewaltige Summen - beispielsweise in der Krebsforschung.

Im vorigen Jahr ist das Übernahmekarussell so richtig in Schwung gekommen - mit 233 Milliarden Dollar war die Pharmabranche weltweit Spitze - das war mehr als eine Verdoppelung gegenüber 2013. Und dieses Jahr bringt neue Rekorde, war doch bereits im ersten Halbjahr das Übernahmevolumen fast so hoch wie im Gesamtjahr 2014. Und da sind die neuesten Deals wie der heute bekannt gewordene Verkauf von Boehringer Ingelheims Generika-Tochter Roxane für 2,65 Milliarden Dollar an den US-Konkurrenten Hikma oder die Übernahme eines US-Verpackungsherstellers durch Gerrresheimer für 725 Millionen Dollar noch gar nicht enthalten. Für die Unternehmen lohnt es sich einfach mehr, Wettbewerber mit starken Produkten zu übernehmen statt selbst für teures Geld zu forschen - auch weil die Kreditzinsen so extrem niedrig sind.

Dieser Trend, da sind sich fast alle Experten einig, wird sich noch jahrelang fortsetzen und der Pharmabranche insgesamt deutlich mehr Effizienz und den einzelnen Unternehmen in ihren Spezialbereichen mehr Marktpower verleihen. All das ist gut für die Erträge - und da das Gesundheitswesen weltweit aufgrund der Demographie und des wissenschaftlichen Fortschritts noch lange Zeit stark wachsen wird, ist der Boden bereitet, damit Pharmaaktien weiterhin zu den ertragsstarken Stützen jedes Langfristdepots gehören.

Da in der Gesundheitsbranche fast jedes größere Unternehmen sowohl potenzieller Unternehmenskäufer als auch Übernahmeopfer ist, bietet es sich an, Pharmaaktien breit zu streuen - am besten mit ETFs oder Branchenfonds. Dann profitieren die Anleger auf jeden Fall vom Übernahmefieber einer der gesündesten Branchen der Welt.

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