Dienstag, 14. Juli 2015

Welche Aktien profitieren von einer Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran?

Viele Unternehmen aus Europa, Amerika und Asien stehen in den Startlöchern, um nach dem Ende der Iran-Sanktionen neu in der Islamischen Republik einzusteigen. Die Chancen gelten als groß, schließlich hat der Iran nach rund einem Jahrzehnt Sanktionen einen enormen Nachholbedarf.

Ganz abgeschnitten war der Iran zwar nie vom Weltmarkt, aber da die Sanktionsliste im Lauf der Jahre zunächst immer länger wurde, schrumpften die Geschäfte deutlich. Für ein Land, das mit knapp 80 Millionen fast so viele Einwohner wie Deutschland hat, sind die 2,5 Milliarden Euro an deutschen Exporten im vorigen Jahr lächerlich wenig. Zumal Deutschland vor dem Streit um das iranische Atomprogramm zeitweise der wichtigste Handelspartner Teherans war.

Wirtschaftvertreter rechnen denn auch damit, dass sich die deutschen Ausfuhren binnen kurzem mehr als verdoppeln könnten und spätestens 2020 im zweistelligen Milliardenbereich liegen könnten. Hilfreich bei diesen Erwartungen ist, dass infolge der Finanzsanktionen rund 150 Milliarden Dollar an iranischen Geldern im Ausland eingefroren sein sollen, die nach dem Ende des Embargos relativ bald zu Käufen genutzt werden könnten.

Welche Unternehmen und damit Aktien aber werden von einer Normalisierung der Handelsbeziehungen besonders stark profitieren? Viele deutsche Firmen haben sich zwar notgedrungen aus dem Iran mehr oder weniger zurückgezogen, aber seitdem das Ende der Sanktionen in Sicht ist, knüpfen sie ihre alte Verbindungen neu. Die besten Chancen haben dabei die Branchen, in denen der iranische Nachholbedarf besonders ausgeprägt ist: Maschinenbau, Fahrzeugindustrie, Elektro, Chemie, Luftfahrt und Erneuerbare Energien.

Für Unternehmen mit einem traditionell starken Irangeschäft und dazu noch den passenden Produkten wird der Iran deshalb zu einem der interessantesten Wachstumsmärkte. Das gilt im DAX-Bereich insbesondere für Siemens - das eine ganze Palette an Bereichen abdeckt, von der Medizintechnik über die Infrastruktursparte bis zu Windrädern und Solaranlagen - BASF, Linde, ThyssenKrupp und Daimler. Im MDAX stechen Airbus und MTU hervor, denn die iranische Flugzeugflotte ist stark veraltet und der Ersatz- und Ersatzteilbedarf riesig. Aber auch die zahlreichen MDAX- und SDAX Maschinenbauer und Autozulieferer hoffen auf gute Geschäfte.

Im Autosektor ist der Bedarf zwar sehr hoch, aber hier dürften die französischen Hersteller und hier vor allem Peugeot die Nase vorn haben - zumindest im PKW-Bereich. Peugeot war vor den Sanktionen klarer Marktführer und hat fast eine halbe Million Fahrzeuge pro Jahr verkauft, davon ein Großteil im Iran zusammengebaut. Besser sieht es für die Deutschen bei LKWs aus, hier sind die VW-Tochter MAN und Daimler jahrzehntelang stark aufgestellt gewesen.

Gute Geschäfte wittern auch die Hersteller von hochwertigen Konsumgütern weltweit, denn die Iraner dürften nach dem Sanktionsende und dem erwarteten Konjunkturaufschwung das nachholen, was ihnen lange Zeit verwehrt worden war. Und auch die Banken, die ihre Verbindungen in den Iran nahezu ganz abschneiden mussten, brechen deutlich bessere Zeiten an.

Übrigens: Dem iranischen Aktienmarkt werden nach dem Ende der Sanktionen ausgezeichnete Aussichten zugebilligt, zumal die Bewertung extrem niedrig ist, ebenso wie die Verschuldung. Insbesondere Energieunternehmen dürften profitieren. Vermutlich wird es bald auch für deutsche Privatanleger ETFs und Zertifikate geben, die auf den iranischen Aktienmarkt setzen.

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