Dienstag, 4. August 2015

5 Gründe, warum Europas Aktien bessere Chancen haben als amerikanische

Das gab es schon lange nicht mehr: Europas Unternehmen werden in diesem Jahr ihre Gewinne deutlich stärker steigern als ihre US-Konkurrenten. Das zeigen die jüngsten Quartalsbilanzen. Aber nicht nur die Ertragsdynamik spricht für Aktien aus dem Euroraum - es gibt noch vier andere gewichtige Gründe.

Im zweiten Vierteljahr ist es den AGs aus dem Euroraum glänzend ergangen. Von den Unternehmen, die bisher berichtet haben, konnten 65 % die Analystenprognosen schlagen. Und der Gewinnzuwachs im EuroStoxx 600 liegt mit rund 11 % weit über dem des S+P 500, der es auf plus/minus 0 brachte. Obwohl  die USA konjunkturell besser dastehen, klettern also die Gewinne im Euroraum stärker. Deshalb rechnen die Analysten im Durchschnitt damit, dass im Gesamtjahr 2015 die Unternehmenserträge der Europäer erstmals seit sieben Jahren kräftiger zulegen werden als die der Amerikaner - um 12 bis 15 % gegenüber 1 bis 3 %.

Dieser Unterschied in der Dynamik ist ein ganz wichtiger Motor für die Aktienkurse im Euroraum. Schließlich sind die Firmengewinne mittel- und langfristig die entscheidenden Einflußfaktoren für die Aktienmärkte.  Aber es gibt noch andere Antriebsaggregate:

- Der starke Dollar: Er ist gant wesentlich dafür verantwortlich, dass Europas Firmen so gut verdienen. Sie sind dadurch preislich viel wettbewerbsfähiger als noch vor einem Jahr - und bei der Umrechnung in Euro fahren sie statte Zusatzgewinne ein, wie viele der jüngsten Quartalszahlen belegen. Im Gegensatz dazu leiden die Amerikaner unter dem starken Greenback, wenngleich weniger deutlich als vielfach befürchtet worden war.

- Die fallenden Preise für Öl und andere Rohstoffe: Sie bescheren den rohstoffarmen Europäern überwiegend positive Effekte, vor allem in Form von zusätzlicher Kaufkraft und sinkenden Einkaufspreisen für die Industrie. Die bekommen die US-Verbraucher und -Firmen zwar auch - aber da der Öl- und Gassektor in Amerika von viel größerer Bedeutung ist, zehren die Gewinneinbussen von Exxon, Schlumberger + Co. und die fallenden Investitionen in Energieprojekte die Vorteile teilweise wieder auf.

- Die Zinspolitik: Während die USA vermutlich im September, spätestens aber im Dezember die Zinsen erstmals wieder anheben werden, ist so ein Schritt in der Eurozone noch lange nicht in Sicht. Da zudem die Anleihenkäufe der EZB noch mindestens bis Herbst 2016 dauern, während sie in den USA längst ausgelaufen sind, kommen auch von Seiten der Liquidität viel stärkere Impulse auf Europas Unternehmen und Börsen zu als in den USA. Das stützt die Konjunktur und sorgt dafür, dass in Euroland der Anlagenotstand eher noch größer wird, und immer mehr Anleger - vor allem Großanleger - aus Zins- in Aktienanlagen treibt.

- Die Aktienbewertung: Die Unternehmen des S+P 500 sind - auch wegen des geringen Gewinnzuwachses in diesem Jahr - mit einem KGV von 18 auf Basis der erwarteten Erträge 2015 recht stolz bewertet. Der EuroStoxx 50 ist hier mit einem KGV von 15 und der DAX mit 14 deutlich günstiger - und das bei derzeit viel stärkerer Ertragsdynamik. Auch die Dividendenrendite spricht eindeutig für den Euroraum - 3,5 % gegenüber 2,0 % in Wall Street.

Klar, Europa hat wegen der Griechen-Krise einen Bewertungsabschlag verdient - aber das macht Europas Aktien noch attraktiver, solange die Hellas-Probleme nicht aus dem Ruder laufen. Der Alte Kontinent dürfte deshalb die Neue Welt in Sachen Börsenentwicklung noch eine ganze Weile aus dem Feld schlagen.

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