Dienstag, 8. September 2015

Europa steht hoch in der Gunst der Profis

Turbulenzen sahen die Profis im August als Kaufgelegenheiten - aber nicht in allen Märkten. Die neuen Absatzdaten der ETF-Industrie zeichnen ein klares Bild, wo die professionellen Investoren - die großen Akteure in diesem Markt - in der Krise im August auf Einkaufstour waren. Die Analyse der Zahlen lässt tief blicken. 

Generell war der August für die ETF-Industrie ein guter Monat: 17,2 Milliarden US-Dollar landeten in börsengehandelten Indexpapieren, laut BlackRock Investment Institute war es "das beste August-Resultat der letzten fünf Jahre". Aktien- und Rentenpapiere der etablierten Märkte waren die Favoriten, vornehmlich gefragt waren Europa und Japan. Allein in der turbulenten vierten Augustwoche investierten internationale Großanleger in europäische ETFs 3,8 Milliarden US-Dollar. Insgesamt flossen im August 7,8 Milliarden US-Dollar in europäische Aktien-ETFs und 3,6 Milliarden US-Dollar in Papiere auf Aktienindizes des asiatisch-pazifischen Raums.

Dies erklärt, warum sich die Märkte schnell stabilisiert haben. Insbesondere Europa-Aktien stehen hoch in der Gunst der Anleger, hier wird bei Rückschlägen gerne zugegriffen. Mit 65 Milliarden US-Dollar Nettozuflüssen seit Anfang Januar führen ETFs auf europäische Aktienmärkte die Rangliste an, Japan-ETFs kommen im Vergleich dazu auf gut 40 Milliarden US-Dollar Zuflüsse, während sich der größte ETP-Markt, die USA mit einstelligen Zuwächsen zufrieden geben muss. In der ersten Jahreshälfte wurden US-Aktien-ETFs tendenziell verkauft, im August landeten nur magere 1,8 Milliarden US-Dollar in diesem Segment. Angesichts der Größe des Markets ist das dürftig: mit einem Gesamtvolumen von mehr als zwei Billionen US-Dollar ist der US-ETP-Markt etwa vier mal so groß als der europäische.

Die Emerging Markets hingegen standen - ebenso wie in den Vormonaten - auch im August auf der Verkaufsliste (7,4 Milliarden US-Dollar Mittelabflüsse). Bekanntlich zweifeln die Investoren an den Wachstumszahlen Chinas und befürchten deflatorische Tendenzen in einigen Ländern. Aus China-ETFs flossen im August 2,1 Milliarden US-Dollar ab, gefolgt von Taiwan (-1,2 Mrd. US-Dollar) und Indien (-0,9 Mrd. US-Dollar). Insgesamt haben die Profis seit Jahresbeginn 26,5 Milliarden US-Dollar aus den Aktienmärkten der Emerging Markets abgezogen, während sie 158,5 Milliarden US-Dollar in die entwickelten Märkte steckten.

An den Anleihenmärkten waren, wie üblich in Krisenzeiten, sichere Staatsanleihen gefragt: 8,3 Milliarden US-Dollar flossen unter dem Strich in Anleihen-ETFs, wobei aus den hochverzinslichen Rentenpapiere - die von Natur aus ein höheres Risiko aufweisen - knapp eine Milliarde abfloss.

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