Freitag, 9. Oktober 2015

Freitagsfrage: Was bedeutet das Aus für den Garantiezins bei Lebensversicherungen?

Es war einmal... der Garantiezins. Die Bundesregierung will ab 2016 den bislang für alle Lebensversicherer verbindlich vorgegebenen Satz abschaffen, er soll nur noch für kleinere Assekuranzen gelten. Zuletzt betrug er wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase ohnehin nur noch 1,25 Prozent. Was sollten Versicherungskunden wissen?

Mehr Lebensversicherungen als Einwohner gibt es in Deutschland. Doch das bisherige Modell der Kapitallebenspolice wird offenbar zum Auslaufmodell. Bislang bekamen Versicherungskunden auf den Sparanteil ihrer Police (Vorsicht: das ist nur der Teil, der übrig bleibt, wenn die – zum Teil ziemlich saftigen – Vertragskosten abgezogen werden) auf jeden Fall zumindest den Garantiezins gut geschrieben.

Bislang war er häufig ein wichtiges Verkaufsargument, zog aber in den letzten Jahren immer weniger. Denn in früheren Jahren betrug der Satz schon mal vier Prozent, aktuell sind es nur noch magere 1,25 Prozent - angesichts der anhaltenden Minizinsphase aber unausweichlich. Wichtig zu wissen: Gibt es Änderungen an dem Satz, betrifft er jeweils nur Neuverträge, nicht bestehende Policen. Wer also noch einen Altvertrag mit vier Prozent laufen hat, sollte sich bequem zurücklegen. 


Der umgangsprachlich Garantiezins genannte Höchstrechnungszins ist der maximale Satz, den Assekuranzen ihren Kunden fest versprechen dürfen. Künftig will das Finanzministerium, das diesen Satz auf Basis von Empfehlungen von Versicherungsmathematikern und der deutschen Finanzaufsicht vorschreibt, nur noch kleinere Assekuranzen vorgeben, größere Gesellschaften sollen frei sein, ob sie noch ein Versprechen abgeben – und wie hoch das ausfällt. 

Hintergrund der Änderung: Der Plan, den Höchstrechnungszins abzuschaffen, ist laut Finanzministerium eine Folge aus dem Inkrafttreten des neuen Regulierungssystems Solvency II, das ab 1. Januar 2016 in ganz Europa gilt. Versicherer müssen demnach ihre vorhandenen und die zum sicheren Geschäftsbetrieb erforderlichen Eigenmittel aus Risikomodellen und Marktwerten herleiten. Garantien zu geben dürfte damit teurer werden als bisher schon.

Zwar betrifft die Änderung Bestandsverträge nicht unmittelbar, dennoch befürchtet der Bund der Versicherten negative Auswirkungen. „Zwar sind die Garantien schon bestehender Verträge ziemlich sicher, die neuen Maßnahmen der Bundesregierung werden aber negativ auf die Überschüsse durchschlagen“, meint Axel Kleinlein, Vorstandsprecher des BdV. „Fehlt der Wettbewerb bei klassischen Tarifen, dann werden die Überschüsse der Altbestände automatisch sinken.“ Die Überschüsse in den Beständen der klassischen Tarife dienten bisher als Verkaufsargument für den Vertrieb von Neuverträgen mit Garantiezins. Werden nun nur noch Produkte ohne Garantien vertrieben, verlieren die Versicherer den Anreiz, Altverträgen hohe Überschüsse zuzuweisen, befürchtet Kleinlein. Verschwindet der einheitliche Garantiezins, werde der Wettbewerb zudem intransparenter, so der BdV.


Aber auch auf der Gegenseite, bei den Versicherungskonzernen, ist  man nicht begeistert: „Zur Gewährleistung langlaufender Lebensversicherungsprodukte mit Zinsgarantien, die nicht gegen Zinsänderungsrisiken abgesichert sind, ist auch in Zukunft eine Vorgabe für den höchstzulässigen Rechnungszins nötig“, kommentiert Peter Schwark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des GDV .
 

Meines Erachtens können Verbraucher das beschlossene Ende des Garantiezinses ruhig zum Anlass nehmen, bei ihrem Sparen für später und der Altersvorsorge künftig auf transparentere, aber auch flexiblere Produkte zu setzen. Schon jetzt waren die Ablaufleistungen von Versicherungen für viele Kunden eher enttäuschend. Was spricht daher dagegen, im Wege von Fonds- oder Indexfondssparplänen auf Renten sowie breit streuende Aktienindizes für später zu sparen? Wer seine Familie gegen den Tod des Hauptverdieners absichern möchte, kann das kostengünstig und passgenauer über Risikolebenspolicen bewerkstelligen. Und wer über 15 Jahre und länger durchhält und diszipliniert monatlich spart, der hat gute Chancen, sich einst über deutlich höhere Renditen zu freuen als mit mancher aktuell angebotenen Police mit Garantie drin ist.   

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