Montag, 9. November 2015

Börsen reagieren euphorisch auf US-Arbeitsmarkt-Boom

Der Arbeitsmarkt in den USA ist in blendender Verfassung. Zentralbankchefin Yellen wird daher um eine Zinserhöhung im Dezember kaum herumkommen. Das ist normalweise Gift für die Börse, doch diesmal feierten Aktionäre die Aussichten auf höhere Zinsen weltweit. Warum?

Hohe Zinsen gehören aus verschiedenen Gründen nicht zu den Lieblingskonstellationen für Aktionäre. Zum einen dämpfen sie Investitionen und Konsum und damit die Wachstumschancen von Unternehmen. Zum anderen werden andere Anlageforme wie Anleihen attraktiver und die Börse verliert Nachfrage von Rendite suchenden Sparern. Mehren sich die Anzeichen für steigende Zinsen also, knicken die Kurse an der Börse häufig ein.

Doch diesmal ist alles anders. In den USA entstanden im Oktober statt der erwarteten 180.000 neuen Jobs 271.000. Und Zentralbankchefin Yellen, die schon länger verbal mit einem Ende der Null Zins Politik in den USA liebäugelt, wird nun kaum anders können, als einen kleinen Schritt im Dezember zu wagen. Und die Börsen reagieren  – erfreut. Ein kleines Kursfeuerwerk entfachte die Nachricht von den guten Daten nicht nur beim Dax, der am Freitag nach der Nachricht kurzzeitig sogar über 11.000 Punkte stieg.

Selbst einige Emerging Markte Börsen legten zu, so der Schanghai Composite. Das ist deshalb ungewöhnlich, weil Spekulationen über Zinserhöhungen in den USA vor nicht allzulanger Zeit noch eine regelrechte Krise an den Währungsmärkten und Börsen der Emerging Markets ausgelöst hatte. Denn sie schienen angesichts besserer Ertragschancen in den USA für Investoren einfach nicht mehr attraktiv.

Dass Anleger die neuen Daten dennoch feiern, liegt sicher zum einen daran, dass die Sorgen um die weltweiten Konjunkturaussichten mit einer starken US-Wirtschaft etwas weniger werden. Und ein eher kleiner Zinsschritt wird vermutlich so gut wie nichts am Investitions-, Anlage- und Konsumverhalten in den USA ändern.

Vor allem aber scheinen die Investoren erleichtert, dass die lange Phase der Unsicherheit nun in absehbarer Zeit zu Ende gehen sollte. Denn bekanntermaßen hasst die Börse nichts so sehr wie Unsicherheit.

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