Montag, 23. November 2015

Draghi stützt die Börsen zu einer guten Zeit

Die Börsen feiern die neuerlichen Andeutungen von EZB Chef Mario Draghi, das Anleiheprogramm notfalls noch einmal deutlich auszuweiten. Doch einer feiert nicht mit: Bundesbank-Chef Jens Weidmann betont die Gefahren einer langanhaltenden Null-Zins-Politik. Zu Recht, wie ich finde, auch wenn Draghis Äußerungen zur richtigen Zeit fiehlen.



"Wir werden das tun, was mir machen müssen, um die Inflation so schnell wie möglich zu erhöhen", sagte Mario Draghi am Donnerstag, 19.11. Und obwohl das eigentlich keine neue Botschaft ist, nahmen es die Börsen zum Anlass, eine Börsenwoche gut abzuschließen – dem Terror in Europa zum Trotz. Denn wenn Draghi immer weiter neues Geld in die Märkte pumpt, bleiben die Zinsen niedrig, Aktien das erfolgsversprechendste Investment – und ganz nebenbei wird der Euro immer schwächer und stützt die Exportwirtschaft.

Aktionären gefällt das – nicht aber Jens Weidman, dem Chef der Deutschen Bundesbank. Er weist auf die Gefahren hin, die eine langanhaltende Null-Zins-Politik mit sich bringen kann: Vor allem darauf, dass sich die Staaten auf niedrigen Finanzierungskosten ausruhen und notwendige Reformen verschlafen. Und seiner Meinung nach ist Inflation nicht gleich Inflation – und derzeit sind es vor allem die sinkenden Energiekosten, die die Teuerungsrate nach unten drücken.

Ich finde, da hat er recht und gehe noch einen Schritt weiter: Inflation darf kein Selbstzweck sein. Namhafte Ökonomen bezweifel inzwischen, dass eine Deflation – also sinkende Verbraucherpreise – tatsächlich unweigerlich zu einem wirtschaftlichen Niedergang führen. Oder wer von uns hat schon einmal die Anschaffung eines Fernseher um ein oder zwei Jahre verschoben, weil die Geräte ja bekanntermaßen über die Zeit tendenziel billiger werden und mehr können?

Dennoch habe ich mich ausnahmsweise über Draghis Äußerungen gefreut: Nach dem 11. September waren die Börsen eine der Drehkreuze, über die der Terror nicht nur unsere Gesellschaft tief getroffen, sondern auch unsere Wirtschaft geschwächt hat. Diesmal scheint das anders zu laufen, und das ist eine gute Nachricht nach einer schrecklichen Woche.

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