Freitag, 20. November 2015

Freitagsfrage: Warum enthält der MSCI Emerging Markets Index bald auch Baidu und Alibaba?

Beim wichtigsten Barometer für die Schwellenländerbörsen waren zwar chinesische Aktien auch bisher schon stark vertreten - aber nur solche, die in Hongkong gelistet werden. Ab dem 1. Dezember nimmt Indexanbieter Morgan Stanley im MSCI Emerging Markets erstmals China-Aktien auf, die in den USA an die Börse eingeführt worden sind. Und das sind interessante Papiere.

Nach der Anpassung enthält der für Schwellenländer-ETFs, -Fonds und -Zertifikate bedeutsamste Index insgesamt 14 China-Aktien, die in den USA als so genannte ADRs (American Depository Receipts) gehandelt werden. Sie können auch an den meisten anderen westlichen Börsen geordert werden. Die beiden größten und bekanntesten neuen Index-Mitglieder sind Chinas Suchmaschinengigant Baidu und der größte Onlinehändler Alibaba, also sozusagen Chinas Google und Amazon. Zu dem Dutzend anderer Neulinge zählen mit Jumei der führende Kosmetikhändler und mit Autohome eine expansive Online-Plattform für Geschäfte rund ums Auto.

Mit der Neuorientierung steigt das Gewicht Chinas im MSCI Emerging Markets von 23 Prozent auf 26 Prozent. Analysten rechnen damit, dass der Index mit so wachstumsstarken China-ADRs wie Baidu und Alibaba für Anleger noch interessanter wird. Ein "Nebeneffekt" der Umstellung: Allein dadurch, dass ETFs und sonstige Produkte auf die Schwellenländer-Benchmark die Aktien der neuen Mitglieder ab 1. Dezember kaufen müssen, ergießt sich eine Riesennachfrage über die 14 Aktien - Analysten rechnen mit rund 70 Milliarden Dollar. Das dürfte ihnen, so die Erwartungen, den Aktien bereits im Vorfeld einen Kursschub geben. Hinzu kommt, dass China-ADRs künftig auch in anderen Indizes enthalten sein werden, beispielsweise im MSCI China.

Was kommt als nächster Schritt? Irgendwann werden auch die größten der nur an Chinas Börsen gelistete Aktien (A-Aktien) in den MSCI Emerging Markets aufgenommen werden. Morgan Stanley hat das zur Jahresmitte zwar nochmals verschoben und mit der Aufnahme der 14 ADRs quasi eine Ersatzhandlung vorgenommen - aber im Laufe der nächsten Jahre wird sich dieser Schritt kaum noch vermeiden lassen.

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