Dienstag, 17. November 2015

Großanleger lassen den Goldpreis fallen

Die weltweite Goldnachfrage ist im dritten Quartal deutlich gestiegen – aber der Goldpreis fällt dennoch Richtung 1000 Dollar. Der Grund: Großanleger verkaufen so massiv ETFs wie seit langem nicht mehr - und werden es wohl weiter tun.

Eigentlich sind das Zutaten für eine schwungvolle Erholung des Goldpreises: Mit 1129 Tonnen haben die Anleger und Schmuckliebhaber nach Angaben des World Gold Council im dritten Quartal fast 80 Tonnen mehr Gold gekauft als ein Jahr zuvor und sogar 216 Tonnen mehr als im zweiten Vierteljahr. Auch die Bundesbürger haben ihre Käufe von Barren und Münzen erheblich gesteigert – aber lange nicht so stark wie die US-Amerikaner, die so viele Goldmünzen geordert haben wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Die vielen Unsicherheiten auf der Welt lassen also Privatanleger zum Edelmetall greifen.

Dieser weltweite Nachfrageboom hat zwar im September/Oktober eine kleine Rallye beim Goldpreis auf über 1180 Dollar ausgelöst, die so manchen Edelmetallfan an eine Wende zu Besseren glauben ließ. Aber die Hoffnungen wurden jäh zerstört, als klar wurde, dass die US-Notenbank Fed wohl doch noch in diesem Jahr mit ihren Zinserhöhungen beginnen wird. Zinserhöhungen aber schaden dem zins- und ertragslosen Gold fast immer. Das haben sich anscheinend auch die Investmentbanken und andere Großanleger gedacht – und ihre Goldpreisprognosen reduziert.

So rechnet die holländische ABN Amro jetzt mit einem Rutsch auf 900 Dollar im nächsten Jahr, Goldman Sachs auf 1000 Dollar und Barclays auf 1030 Dollar im Durchschnitt des kommenden Jahres. Nicht zuletzt deshalb hat plötzlich eine Verkaufswelle bei Gold-ETFs eingesetzt, die überwiegend von Großanlegern als Instrument für den Goldhandel genutzt werden. Allein in der ersten Hälfte dieses Monats wurden in den USA netto für mehr als 1,1 Milliarden Dollar Gold-ETFs auf den Markt geworfen, und Analysten gehen davon aus, dass sich der Verkaufsdruck in den nächsten Wochen, also vor der entscheidenden Fed-Sitzung im Dezember, noch verstärken könnte.

Die Terroranschläge in Paris haben gestern den Goldpreis nur kurz und schwach klettern lassen. Das ist kein gutes Zeichen für das Edelmetall. Inzwischen liegt die Notierung nur noch knapp über ihrem Fünf-Jahrestief von 1073 Dollar. Für die Goldanleger bedeutet das wohl, sich mit dem dritten Jahresverlust in Folge anzufreunden. Zumindest in Dollar gerechnet. Wegen der Schwäche des Euro steht der Goldpreis in Euro in diesem Jahr immerhin noch leicht im Plus.

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